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Gedanken zur Karwoche

Christus war verzweifelt.

Er sagte den Menschen in der Bergpredigt, wie man das Reich Gottes aufbaut: „Lebe bescheiden, in Armut, Vorräte musst du nicht anlegen, weil Gott alle Menschen ernährt.“

Aber niemand hörte auf ihn. Sie wollten nur einen König, der sie von den Römern befreit. Sogar seine Jünger schliefen im entscheidenden Moment. Deshalb gab er sein Leben. Aber wir Christen haben zu keiner Zeit seine Botschaft verstanden.

Doch gerade spüren wir, wenn wir unsere Augen weit öffnen:
Das Reich Gottes ist angebrochen!

Der überflüssige Konsum ruht, die Erde erholt sich. Plötzlich haben wir Zeit für die Familie. Überall auf der Welt ist Solidarität.

Leider hat es nicht die Christenheit geschafft, dies zu erreichen, sondern ein Virus. Christus wird bald auferstehen. Christen auf der ganzen Welt, verhindert wenigstens, dass der Mammon mit ihm wiederaufersteht!

Demjenigen, der gerade Angst um seinen Job oder seine Firma hat sage ich: Hab noch ein bisschen Geduld und hab Vertrauen in die Solidarität der menschlichen Gemeinschaft!

Gesegnete Ostern!

Ruhe nach dem Sturm oder vor dem Sturm?

Wie ist es still geworden. Gleichzeitig mit dem Tempolimit von 130 auf 100 hier auf Niederlands Autobahnen hat sich auf der ganzen Welt das Leben verlangsamt. Wer hat nicht alles davon geträumt, dass es einmal so kommen soll? Nicht überlegen zu müssen, jede Sekunde des Tages sinnvoll auszufüllen. Sogar die Geschäfte hier in Utrecht haben die Türen, die normalerweise im Winter sperrangelweit offen stehen und die Wärme hinauslassen, geschlossen. Und am blauen Himmel über Holland sind keine Kondensstreifen zu sehen.

Es scheint, als würde dem Klima keine Gefahr mehr drohen. Die Wirtschaft produziert keine Autos mehr sondern nur noch das, was wirklich nötig ist. Was jetzt zählt, ist Solidarität. Solidarität mit der Risikogruppe der 70-Plusser und Übertragungskontakte soweit es geht vermeiden. Solidarität mit den Menschen, die die Gesundheitsversorgung und die Versorgung der Bürger am Laufen halten und Solidarität mit den Ländern, auf deren Kosten wir hier in den entwickelten Industriestaaten reich geworden sind und die jetzt wenig oder keine finanziellen Puffer haben.

Das Finanzwesen steht Kopf. Man spricht von Hilfen in Höhe von 800 Mrd. Euro, einem Vielfachen dessen, was bei der Finanzkrise 2008 in die Hand genommen wurde. Ich vermute, es gibt momentan niemanden, der einen Überblick darüber hat, was sich in den nächsten Monaten auf diesem Gebiet abspielen wird.

Wäre das nicht die Gelegenheit für einen allgemeinen Schuldenerlass? Seit biblischen Zeiten träumt die Menschheit von diesem Jubilee. Bestimmt würden 800 Mrd. Euro ausreichen, um alle Menschen der Welt schuldenfrei zu machen. Das Geld würde einem guten Zweck dienen und nicht in ominöse Kanäle verschwinden.

Wir könnten nach der Corona-Krise mit dem Aufbau einer neuen, von Vernunft geprägten, solidarischen Gesllschaft beginnen ohne im Zwang zu sein, die Wirtschaft innerhalb kurzer Zeit wieder auf Hochtouren zu bringen, um die krisenbedingt angewachsenen Schulden tilgen zu können. Und das Un-Wort „Klimakrise“ würde endlich aus dem Vokabular verschwinden.

Gebrauchsanleitung für die Rettung der Erde

Einleitung

Viele Menschen spüren es bereits, dass es Zeit ist, umzukehren. Dass uns und unserer Erde ein bisschen weniger gut tun würde. Wir Menschen in den entwickelten Industriestaaten leben über unsere Verhältnisse, und das oft auf Kosten derer in anderen Erdteilen. Aber es ist schwierig, unsere Gewohnheiten zu ändern – wo soll man anfangen.

Viele glauben nicht daran, dass es einen vom Menschen verschuldeten Klimawandel gibt. Aber ohne Grund ändern wir unser Verhalten nicht. Wir Menschen sind nicht dazu veranlagt, von selbst zu sagen – ich nehme mir weniger.

Was wäre, wenn wir zwar nicht daran glauben aber einfach mal annehmen, es gäbe tatsächlich die Gefahr des Klimawandels. Wäre es dann nicht einfacher zu sagen, ich nehme mir weniger um unsere Erde zu schonen?

Unser heutiger Zustand

Unsere Erde leidet, weil wir Raubbau betreiben an fossilen Brennstoffen, Rohstoffen und Energie. Oft leben wir auf Kosten unserer Schwestern und Brüder in anderen Erdteilen. Eine Besserung kann es nur geben, wenn die hemmungslose Ausbeutung der Ressourcen drastisch und schnell reduziert wird. Das ist ein Appell an alle Menschen, um dabei mit zu helfen.

Die Tatsachen zeigen, dass trotz des allgemeinen Wissens über die bevorstehende globale Katastrophe und trotz der deutlichen Zeichen (Schmelzen des Nordpols, Abholzung der Regenwälder, Verschmutzung der Meere mit Plastik) keine Veränderung des Verhaltens der Menschen in den entwickelten Industriestaaten zu erkennen ist.

In diesen Staaten hat sich ein Belohnungssystem manifestiert. Wir belohnen uns fortgesetzt, indem wir Dinge kaufen, weit über unsere materiellen Grundbedürfnisse hinaus. Deshalb bleibt die Nachfrage nach Waren, die Ressourcen verbrauchen weiterhin stabil und sie wird durch Werbung und durch immer kurzlebigere Produkte weiter angetrieben. 

Wie funktioniert Wirtschaft?

Die Wirtschaft kann man sich vorstellen als eine große Maschine, die selbstständig läuft. Das Wirkprinzip ist der freie Markt, der die Maschine auf wunderbare Weise reguliert. Je schneller die Maschine läuft, desto mehr natürliche Ressourcen und fossile Brennstoffe werden verbraucht und desto mehr Abfall wird erzeugt. Niemand kann und darf in diese Maschine eingreifen. Das sagen die Politiker und Unternehmer. Deshalb ist es auch sehr schwierig oder sogar unmöglich, Klimaschutzmaßnahmen durchzusetzen.

Aber durch was wird die Maschine angetrieben? Die Maschine wird durch die Nachfrage der Menschen, also durch den Konsum der Verbraucher angetrieben. Wenn die Menschen plötzlich aufhören würden zu kaufen, bliebe die Maschine stehen.  Es gibt keinen anderen Antrieb für sie als den Konsum.

Wenn wir Verbraucher, wir Menschen, diese Maschine langsamer laufen lassen indem wir weniger konsumieren, wäre es viel besser für unsere Erde und damit für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder und Nachkommen. Und nicht zu vergessen, für unsere Schwestern und Brüder in anderen Erdteilen.

Die Lösung

Der Maschine „Wirtschaft“ und dem Markt ist es egal, ob weniger produziert wird. Die Vertreter der Marktökonomie sagen selbst, dass der Markt flexibel ist und sich auf geniale Weise selbst reguliert. Er hat das sehr gut während der Finanzkrise 2009 bewiesen.

Habt keine Angst davor, dass die Wirtschaft schrumpft. Beim Weihnachtsgeschäft gleicht der Markt kurzfristige Nachfrageschwankungen von weit über 25 % aus. Ein allmähliger Rückgang wird ihm überhaupt nichts ausmachen. Habt Vertrauen in den Markt. Es passiert wirklich nichts schlimmes, wenn die Wirtschaft schrumpft.

Wenn weniger produziert wird, dann muss auch weniger gearbeitet werden. Es tut aber auch nicht weh, weniger zu arbeiten. Da weniger konsumiert werden muss macht es auch nichts aus, weniger zu verdienen, weil wir weniger Geld benötigen werden. Es ergibt sich ein großer Vorteil dadurch: der Stress der Menschen nimmt ab und sie haben mehr Zeit für ihre Hobbys und ihre Famile. Auch wird es viel weniger Pendler, Autos und Staus geben.

Die zunehmende Freizeit kommt der Zivilgesellschaft zugute, die dann viele Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen kann. Aufgaben, zu denen sich die Menschen berufen fühlen und die sie freiwillig übernehmen werden. Aufgaben, die sie gerne erfüllen und für die sie nicht durch den Arbeitsmarkt vermittelt werden müssen.

Diejenigen, deren Gewinne geschmälert werden, werden warnen und drohen. Aber auch sie werden die angenehmen Seiten der Zivilgesellschaft genießen können wenn sie nicht mehr die Last und Verantwortung des Reichtums tragen müssen.

Wie beginne ich?

Konsum ist etwas so normales für uns, dass es sehr schwierig ist, einen Anfang zu finden. Vielleicht hilft die folgende Überlegung.

Wenn Menschen über ihre Verhältnisse leben dann verschulden sie sich. Wir haben uns bei der Erde und symbolisch auch bei unseren Mitmenschen in weniger vom Konsum geprägten Erdteilen verschuldet.

Wenn jemand verschuldet ist, dann muss er genau überlegen, wie er die Schulden abbauen kann. Er muss genau überlegen, was er wirklich zum Leben braucht, ohne Not zu leiden. Und nur das wird gekauft, nichts anderes.

Versucht, euch vorzustellen, ihr seid tief verschuldet und ihr müsst unbedingt diese Schulden abbauen. Überlegt euch deshalb genau, was ihr wirklich zum Leben braucht und kauft nur das.

Wenn wir uns so verhalten, wird Geld übrig bleiben. Man kann es sparen, was sich momentan nicht sehr lohnt, oder für einen guten Zweck spenden. Man kann es auch nachhaltig anlegen. Oder man nimmt das übriggebliebene Geld und kauft hochwertige, biologische Nahrungsmittel oder Kleidung aus nachhaltiger Produktion.

Was bedeutet Präapokalyptisch?

Die Menschheit erzeugt so viel Energie, als würden stündlich 1000 Hiroshima-Atombomben explodieren. Immer. Jede Stunde des Jahres. Oder als würde täglich ein Meteorit von der Größe der Cheops-Pyramide einschlagen.

Bomben und Meteoriten hinterlassen Spuren, die man sieht. Energie hinterlässt die gleiche Menge an Spuren, allerdings sieht man diese Spuren nicht. Trotzdem sind und bleiben sie da.

Wenn sich nichts ändert wird der Weltenergiebedarf in den nächsten 15 Jahren weiter um ein Drittel steigen. Alle sprechen von Windkraft und Sonnenenergie, aber die machen gerade mal 2 % aus.

Das  Naturkundemuseum in Berlin zeigte einmal eine Multimediaprojektion, mit der man die Erdgeschichte im Zeitraum eines Tages dargestellt hat. Um null Uhr sah man einen glühenden Steinbrocken, nach der Entstehung der Einzeller um 15 Uhr haben sich ungefähr um 23 Uhr die Säugetiere herausgebildet. Der erste Homo Sapiens kam um 23:59 und 58 Sekunden zur Welt.

Die Entstehung der Kohle und des Erdöls hat 15 Minuten gedauert.

Diese gigantische Menge an fossilen Brennstoffen haben wir in den letzten Mikrosekunden des Tages innerhalb der Dauer eines Fotoblitzes in die Luft gejagt. Das soll ohne Wirkung bleiben?

Alle, außer ein paar verrückten Kindern und Wissenschaftlern sagen:  „Oh, man merkt doch gar nichts vom Klimawandel!“.
Aber warum merken wir denn nichts?

Legen Sie mal ihre Hand auf die Platte ihres Elektroherdes und schalten ein. Es fließt die volle Leistung aber was merken Sie? Nichts. Irgendwann wird es angenehm warm und kurz darauf lässt man schnell los. Nach einer halben Minute glüht die Platte.

Wir befinden uns auf unserer Erde gerade an dem Zeitpunkt, an dem es angenehm warm ist. Eigentlich wäre es der richtige Moment, um die Platte auszuschalten. Auf jeden Fall, wenn man darauf sitzen muss und nicht weg kann.

Ist das Wort präapokalyptisch damit gut erklärt?

Befreiungstheologie in unserer Wegwerfgesellschaft

Das Besondere an der Befreiungstheologie ist, dass dem Evangelium ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Ursprünglich stammt diese Glaubensrichtung aus Lateinamerika, wo es viele unterdrückte und landlose Bauern gab, die einen starken Glauben hatten. Ein typischer Vertreter der Befreiungstheologie ist der am 1. März 2020 verstorbene Ernesto Cardenal. Er las sonntags gemeinsam mit den Bauern eine Stelle aus dem Evangelium und besprach, wie das Gleichnis auf den Alltag zutrifft. Befreiungstheologie bedeutet für mich das bewusste und aktive Nachleben des Evangeliums.

In unseren Industrie- und Konsumländern haben die Gleichnisse Christi eine andere Bedeutung aber sie haben ebenfalls einen direkten, aber einen anderen Bezug zu unserem Leben. Das ist das Geheimnis des Evangeliums. Z.B. das Gleichnis vom Sämann. Nur ein kleiner Teil der Saat fällt auf fruchtbaren Boden, bringt aber vielfache Ernte. Man kann dies so interpretieren, dass es ausreicht, wenn jeder viel weniger arbeitet. Dass in unserer Wegwerfgesellschaft Vollbeschäftigung angestrebt wird, geht einher mit hohem Ressourcenverbrauch und Abfallerzeugung zum Leiden der Schöpfung. Die entsprechende Seligpreisung Christi ist die Preisung der Sanftmütigen, die lange sitzen, meditieren, die Natur beobachten oder einfach nur untätig mit ihren Kindern zusammen sind.

Hier in unserer Wegwerfkultur haben Christen eine besondere Rolle. Wir beten jemanden an, der uns zurief: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Jemand, der selbst in Armut lebte. Wir beten den Christus am Kreuz an, damit er unsere Sünden wegnimmt, aber gleichermaßen beten wir Geld und Wohlstand an. Und das führt dazu, dass wir die Erde, die Gott uns gab, um sie zu behüten, hemmungslos ausbeuten.
Vielmehr müssen wir aktiv dem lebendigen Christus folgen, dessen Anwesenheit ich in den jetzigen Tagen besonders spüre. Wir können das, indem wir, genauso wie die Anhänger der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, im Evangelium konkrete und praktische Hinweise für unser tägliches Leben suchen und diese umsetzen.

Am Palmsonntag-Wochenende gab es einen von der EKD veranstalteten Hackathon zum Thema „Glauben gemeinsam“. Das Resultat ist das folgende Video:

Arbeit und Arbeit

Seit fast drei Jahren arbeite ich ehrenamtlich einen Vormittag pro Woche im Obdachlosenauffang in Utrecht. Die Morgen- und Abenddienste werden von zwei fest angestellten Mitarbeitern der Stiftung sowie von zwei bis drei Ehrenamtlichen geleistet. Es gibt auch eine Küche, in der an jedem Tag des Jahres für etwa 60 Obdachlose ein Dreigänge-Menü von unbezahlten Köchen und Küchenhelfern zubereitet wird.

Während meines Dienstes erledige ich ungefähr dieselben Aufgaben wie ein fest Angestellter, nur mit dem Unterschied, dass ich keinen Cent dafür bekomme. Aber der Dienst für diese bescheidenen, dankbaren, einfachen und freundlichen, lieben Menschen macht so viel Freude, dass ich darüber wirklich noch nie nachgedacht habe.

Seit einigen Jahren arbeite ich überhaupt nicht mehr gegen Bezahlung. Aber selbstverständlich arbeite ich. Ich bin Erzieher, Nachhilfelehrer, Koch, Reinigungskraft, Mechaniker, Lieferant, Unterhalter.

Oft denke ich über den Systemwechsel nach, den wir dringend brauchen, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen. Eine Welt, die nicht vom „Kaufen und Wegwerfen“ beherrscht wird sondern vom „Zeit miteinander verbringen“. Es gibt viele Demonstrationen für diese Idee weltweit auf den Straßen aber ich habe den Eindruck, niemand weiß genau, wie man diesen Systemwechsel bewerkstelligen kann. Ich gehe auch regelmäßig mit auf die Straße, kenne die Demonstranten und weiß, dass eine gewaltsame Revolution nicht in Frage kommt. Was ist also zu tun?

In der jetzigen Zeit werden wir vom globalen Markt beherrscht, der ausschließlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Wie kann man diesem Markt beikommen? Bezahlte Arbeit ist ein wichtiger Pfeiler dieses Marktes, da durch bezahlte Arbeit ein Abhängigkeitsverhältnis mit dem Markt, bzw. mit dem Unternehmen, welches ja ein Teil des Marktes ist, besteht. Wir wissen, dass die Wirtschaft schrumpfen muss und dass dies wenig Einfluss auf unseren Lebensstandard hat – wenn wir Lebensstandard nicht nur in Kaufen und Wegwerfen sehen. Unsere Technologie ist soweit, dass es ausreichen würde, wenn wir zwei oder drei Tage pro Woche arbeiten. Aber viele Menschen haben Angst vor dem Schrumpfen der Wirtschaft weil sie Angst davor haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Dies hat sicher hauptsächlich finanzielle Gründe. Aber ein wichtiger Grund ist auch der Verlust an Persönlichkeit und Selbstbestätigung, die man durch die Ausübung des Berufes bekommt. Dieser Grund würde entfallen, wenn unbezahlte und ehrenamtliche Tätigkeit als Arbeit anerkannt ist. Dann wären viele Menschen bereit, ihre bezahlte Arbeit aufzugeben um sich besser um ihre Familie kümmern zu können und ehrenamtliche Tätigkeiten in der Zivilgesellschaft zu übernehmen, die ihnen Freude bereiten.

Ich finde, der Kampf für die Aufwertung unbezahlter Arbeit muss auch eine wichtige Aufgabe feministischer Aktionsgruppen sein.

Gleichzeitig muss die Zivilgesellschaft definiert werden. Unter Zivilgesellschaft darf man nicht verstehen, sich ausschließlich an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Zivilgesellschaft ist alles, was man gerne und ohne finanzielles Interesse für andere tut. Unterstützung in Schulen, Krankenhäusern, Altersheimen, in der Landwirtschaft, bei Reparaturen, Transporten etc. Hier liegt ein gewaltiges Potential. Eine Strukturierung der Möglichkeiten der Zivilgesellschaft wird auch den Arbeitsämtern nützen, die in Zukunft mit einer steigenden Zahl an Arbeitslosen rechnen müssen. Sie werden gerne die Möglichkeiten der Zivilgesellschaft nutzen, um den Menschen eine Alternative zu bieten. Gleichzeitig müssen sich die Verantwortlichen im Staat überlegen, wie die finanzielle Absicherung der unbezahlt Tätigen erfolgen kann. Da man aber viele Leistungen durch die Zivilgesellschaft kostenlos bekommt, wird man in Zukunft mit weniger Geld auskommen können und das Geld wird auch eine andere Wertigkeit bekommen. Erstmals in der Geschichte sind wir dazu in der Lage, alle Menschen ausreichend versorgen zu können, wenn alles gerecht verteilt wird. Es ist also nicht mehr nötig, Geld als Reserve zurück zu legen.

Sozialökonomen haben nachgewiesen, dass bei unbezahlter Tätigkeit gleiche und bessere Leistungen erbracht werden wie bei bezahlter Arbeit. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die ehrenamtliche Tätigkeit scheinbaren Wohlstand durch eine große Wohnung, ein teures Auto und Belohnungen durch Kaufen ersetzen kann, weil diese Tätigkeit mehr Zufriedenheit schafft, weil man etwas für Andere tut ohne materiellen Lohn dafür zu bekommen. Das wird auch diejenigen ansprechen, die heute noch ihre Freizeit mit dem Besuch von Shopping-Centern verbringen.

Wenn die Zivilgesellschaft sichtbar für alle wächst und konkrete Formen annimmt, wird der Begriff „Wirtschaftswachstum“ in den Argumenten der Politiker durch den Begriff „Zivilgesellschaftswachstum“ ersetzt werden.

Gedanken zu Armut

Ich bin nicht wirklich arm. Aber vor 4 Jahren habe ich aufgehört zu arbeiten und habe seitdem kein Einkommen. Ich war 60 Jahre alt. Wir sind wegen des Jobs meiner Frau in eine andere Stadt gezogen und ich wollte mich nicht mehr für eine neue Stelle bewerben. Seitdem leben wir nur vom Gehalt meiner Frau. Ich versuche, so sparsam wie möglich zu sein. Ich kaufe mir einmal im Jahr eine neue Hose wenn die alte anfängt kaputt zu gehen und alle zwei Jahre ein paar Sandalen. Das alte Iphone meines Sohnes konnte ich reparieren und benutze es seitdem. Und meine zwei Brillen für nah und fern habe ich bei Hema bereits vor ein paar Jahren für fünf Euro gekauft. Außer ab und zu ein Buch kaufe ich mir nichts. Trotzdem vermisse ich nichts aber ich hatte in den vergangenen Jahren etwas, was die meisten nicht haben, ich hatte viel Zeit für meine Kinder und für meine Hobbys, singen und musizieren.

Die Entscheidung, mit Arbeiten aufzuhören kam überhaupt nicht durch meinen christlichen Glauben. Aber natürlich gibt es vereinzelt Christen, die auf Grund ihres Glaubens bereit sind, Christus nachzufolgen. Sie würden das leichte Joch, das er anbietet, sofort auf sich nehmen. Viele der jüngeren Menschen haben sicher nie ein Joch gesehen, außer auf Fotos oder Gemälden. Es ist der Balken, der den Ochsen auf die Schulter gespannt wird und mit dem sie die schweren Lasten ziehen. Aber Christus sagt, mein Joch ist leicht. Wie kann das sein? Ich stelle mir das mit dem leichten Joch so vor: Es erscheint vielen als unmöglich, ihren Reichtum aufzugeben und sich dem einfachen Leben preiszugeben. Man gibt die Freiheit nicht so ohne weiteres auf, kaufen und machen zu können, was man will. Diese vermeintliche Freiheit ist so wichtig für uns, vor allem in unserer westlichen Gesellschaft. Deshalb ist die Entscheidung, unsere „Freiheit“ aufzugeben, sehr schwer und eigentlich unmöglich. Es ist, als müsste man ein schweres Joch auf sich nehmen, was man überhaupt nicht will. Aber die Menschen, die es geschafft haben, sich vom Zwang des Geldes zu lösen, stellen fest, dass sich so viele gute Wege öffnen, sein Leben zu gestalten, auch wenn man wenig oder kein Geld hat. Sie haben jetzt so viel echte Freiheit und weniger Verantwortung, dass sie nicht verstehen können, dass die Freiheit des Geldes wichtig für sie war. Alles ist plötzlich ganz leicht. Aus dem schweren Joch ist ein leichtes Joch geworden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist vielleicht das Leben von Franz von Assisi.

Aber es gibt noch andere Menschen, die sich vom Zwang des Geldes befreien. Wenn man bei Google nach Minimalisten sucht, findet man sie. Sie geben auch ihren Job auf. Aber ich meine nicht diejenigen, die ein Sabbatjahr machen und anschließend oft wieder zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren. Die Minimalisten, die ich meine, geben ihren Job auf und verkaufen ihren Besitz. Dann ziehen sie z.B. in ein Tiny House und versuchen, so sparsam wie möglich zu leben. Jedoch bei ihnen kommt diese Entscheidung oft nicht aus christlichen Motiven heraus sondern eher, um dem Konsumzwang zu entfliehen.

Und dann gibt es die Obdachlosen. Sie haben meist nicht aus freiem Willen diesen Weg gewählt, oder aus christlichem Glauben heraus. Aber auch sie haben keinen Besitz und keine Arbeit, sie konsumieren sehr wenig und alles was sie haben passt in zwei große Einkaufstaschen. Hier in Utrecht müssen sie keine Not leiden, die Stadt und viele Freiwillige, von denen ich auch einer bin, kümmern sich gut um sie. Und dass sie nicht unglücklich sind merkt man deutlich, wenn man mit ihnen zusammen ist.

Die Ursachen und Gründe all dieser Menschen, bewusst das einfache Leben zu wählen oder durch Umstände dort zu landen, sind sehr vielfältig. Bei den wenigsten sind es christliche Motive. Aber es gibt etwas, das sie alle gemeinsam haben. Etwas sehr stark christliches. All diese Menschen tragen das leichte Joch, das sie von Christus bekommen haben, ohne es zu merken. Und damit folgen sie Christus nach, ob sie selbst daran glauben oder nicht.

Die 12

Die Politik hat inzwischen zu wenig Einfluss auf die Weltwirtschaft, um effektiv mit Maßnahmen zum Klimaschutz eingreifen zu können.

Führungskräfte aus der Wirtschaft lehnen einen Eingriff in die Ordnungsprinzipien von Angebot und Nachfrage strikt ab oder sie geben Statements ab, die eine Stagnation des Wirtschaftswachstums als gefährlich kennzeichnen.

Es handelt sich bei ihnen um kluge Menschen, die selbstverständlich von „Grenzen des Wachstums“ gehört haben oder die die Probleme der Massentierhaltung kennen. Dass sie trotzdem fest an ihren Prinzipien festhalten, erscheint als vollkommen unlogisch.

Die einzige Erklärung hierfür ist, dass diese Menschen abgeschirmt in der Welt des Business leben und zwanghaft damit beschäftigt sind, Gewinne zu sichern. Ohne die Möglichkeit zu haben, über den Sinn ihres Handelns nachzudenken. Sie haben auch große Angst vor dem Markt und hüten sich davor, dort einzugreifen. Aber ist es nicht so, dass der Markt zufällige Eingriffe wie Bankenkrisen oder die durch das alljährliche Christmals Shopping hervorgerufenen erheblichen Nachfrageschwankungen von bis zu 50 % problemlos verkraftet? Warum sollen gezielte Eingriffe in den Markt irreversible Schäden hervorrufen?

Eine Lösung dieses Problems kann es nur geben, wenn man mit den einflussreichen Leuten aus der Wirtschaft oder den Managern direkt einzeln in Kontakt tritt und versucht, ihre Denkweise zu ändern und ihre Augen dafür zu öffnen, dass ihr Prinzip der Gewinnmaximierung Kollateralschäden verursacht, die ethisch nicht mehr vertretbar sind.

Die Frage ist natürlich, wie man mit diesen Führungskräften in Kontakt kommt. Als Einzelner hat man sicher keine Möglichkeit dazu. Anders wäre es, wenn man als Gruppe auftritt, in einer Gruppenstärke mit der magischen Zahl 12 vielleicht? Einfache und aufrechte Menschen mit festem Glauben an eine gute und gerechte Gesellschaft.

Man trifft sich an einem geschützten oder privaten Ort. Der Manager steht im Zentrum eines Kreises und kann sich auch hier als Mittelpunkt fühlen. Es darf keine politische Diskussion aufkommen sondern die Gespräche gehen ausschließlich über ethische Normen und christliche Werte.

Wer hat Ideen oder macht mit?

Der ökologische Fußabdruck

Um zu leben, verbrauchen wir Ressourcen. Luft zum Atmen, Wasser zum trinken, Nahrung zum essen. Manche brauchen nicht viel mehr aber andere wiederum haben einen größeren Anteil an Ressourcen nötig. Viel Energie, um ein großes Haus zu beheizen oder Lithium aus Afrika für die Batterie des Elektroautos. Der eine hinterlässt einen kleinen Fußabdruck und der andere einen großen. Alle Menschen der Erde hinterlassen im Durchschnitt einen Fußabdruck von 2,9 gha (globaler Hektar). Das bedeutet, dass die Erde nicht ausreicht, um den Ressourcenverbrauch zu kompensieren, wir hinterlassen bleibenden Schaden, der jährlich größer wird.

Dabei haben wir Reserven. Der durchschnittliche Fußabdruck von Europa, Nordamerika und Australien zusammen beträgt 7 gha und wir könnten ihn beträchtlich verringern, ohne dass unser Wohlstand maßgeblich darunter leidet.