Die große Revolution der Menschheit

Die große Revolution der Menschheit

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Vor etwa 8.000 Jahren begann die große Revolution der Menschheit. Wir hatten zweihunderttausend Jahre auf dieses Ereignis gewartet, das uns aus einem prekären Dasein, in dem wir von der Hand in den Mund lebten, in ein Leben in Würde führen sollte.

Es begann im Zweistromland, als mehr produziert wurde als nötig. Einige hegten Land ein und zahlten den Menschen Löhne, damit sie auf den Feldern arbeiteten. Mit den Löhnen konnten sie kaufen, was auf dem Markt angeboten wurde. Was übrig blieb, wanderte in die Vorratskammern der Landbesitzer.
Danach geschah nicht viel, außer dass vor 5.000 Jahren das Rad erfunden wurde.

Es dauerte fast weitere 5.000 Jahre, bis es so aussah, als sei die Menschheit bereit für einen neuen Sprung nach vorn. Plötzlich wurden fremde Erdteile entdeckt, der Buchdruck erfunden, die Sonne in den Mittelpunkt  gestellt und Newton fiel ein Apfel auf den Kopf.

Alles drängte auf einmal nach vorne und der Wettbewerb begann. Die Händler wetteiferten mit den interessantesten Produkten um die niedrigsten Preise. Mit der Zeit gab es Webstühle, Dampfmaschinen, Elektrizität, das Penicillin wurde entdeckt, die DNA entschlüsselt, Flugzeuge stiegen in die Lüfte, das Fernsehen wurde erfunden und die Atomkraft freigelassen.

Dieser Drang nach immer größerem Fortschritt ging einher mit einem ständigen Kampf um Löhne und Sozialleistungen. Große Gewerkschaften entstanden; es vergeht keine Woche, ohne dass irgendwo der öffentliche Nahverkehr zum Erliegen kommt, weil Menschen für höhere Löhne kämpfen.
Die Sicherung von Sozialleistungen ist das zentrale Thema in Wahlkämpfen.

Obwohl die meisten Menschen bereits ein Leben in Würde führen könnten, überschattet der Kampf um das Überleben immer noch unseren Alltag .

Die Lohnerhöhungen fallen aber nicht vom Himmel. Jedes Mal, wenn die Löhne steigen sollen, muss mehr produziert und verkauft werden. Da zu wenig Autos verkauft werden, muss die Rüstungsindustrie einspringen.

Der Energie- und Rohstoffbedarf schnellt in die Höhe und der IWF prognostiziert für die nächsten 5 Jahre ein weiteres Wachstum von 25 Prozent. Wir zerstören unsere Lebensgrundlagen aber werfen das, was wir kaufen, im Durchschnitt nach der Hälfte der Nutzungsdauer wieder weg.

Doch die Lösungen sind da!

Die weltweite Vernetzung durch das Internet und die Globalisierung.

Und damit befinden wir uns im letzten Stadium unserer Revolution der Menschheit, in der wir die wettbewerbs- und marktbedingte Überproduktion beenden müssen.

Das Internet ermöglicht die direkte Versorgung ohne Markt und Löhne und die Globalisierung erlaubt die weltweite zeitgleiche Umstellung. Direkte Versorgung bedeutet, dass das, was wir benötigen, direkt beim Produzenten bestellt wird und nicht mehr beim Händler.

Dadurch bestellen wir nur, was wir wirklich brauchen, und nicht, was am billigsten ist oder was uns die Händler aufdrängen.

Damit die direkte Versorgung realisiert werden kann, müssen die Produkte kostenlos verfügbar sein. Kostenlos bedeutet nicht, dass die Produkte wertlos sind, sondern dass sie ihren Gebrauchswert besitzen – und genau darauf kommt es an. Die Entscheidung, was wir von den Produzenten anfordern, basiert dann ausschließlich auf dem Gebrauchswert.

Was würde passieren, wenn alle Produzenten weltweit zeitgleich ihre Produkte kostenlos abgeben? Dann wären alle Menschen bedingungslos versorgt. Auch die Produzenten, also die Unternehmer wären versorgt.

Deshalb würden sie die Einnahmen aus ihren Unternehmen überhaupt nicht benötigen. Ja, sie könnten dann sogar nichts mehr mit diesen Einnahmen anfangen, weil nichts mehr gekauft werden muss. Das würde vollkommen ohne Enteignungen funktionieren.

Natürlich benötigt dann auch niemand mehr Löhne, und das ist natürlich die Bedingung dafür, dass bei der Produktion keine Kosten mehr anfallen, dass somit alle Produkte kostenlos werden.

Jetzt sagt ihr bestimmt: „Was, wenn sich einige mehr nehmen als andere?“

Daran sind wir schon gewöhnt. Der Fortschritt bescherte uns auch die Flatrate. Netflix, das Fitnesscenter, das Deutschland-Ticket. Wenn wir einen Monat lang unsere gesamte Zeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen würden, würden wir viele tausend Euro verfahren. Aber wer macht das schon? Wir haben eher Mitleid mit denen, die jeden Tag lange Wege zur Arbeit zurücklegen müssen und natürlich mehr für Fahrten ausgeben als jemand, der öffentliche Verkehrsmittel nur gelegentlich nutzt.

Diese Befürchtung ist also vollkommen unbegründet, da wir uns bereits seit vielen Jahren in vielen Bereichen nur das nehmen, was wir brauchen. So, wie Netflix, das Deutschland-Ticket oder das Fitnesscenter niemanden dazu animeren, unnötig viel fernzusehen, Bahn zu fahren oder zu trainieren, wird dann auch jegliche Werbung überflüssig und von selbst verschwinden.

Wir werden uns deshalb nicht noch mehr nehmen, wenn alles gratis ist, sondern wirklich nur noch das, was wir für ein würdevolles Leben brauchen. Das bedeutet auch, dass wahrscheinlich nur noch höchstens die Hälfte der Arbeitszeit nötig ist und natürlich viel weniger Energie und Rohstoffe verbraucht werden. Das, was der Markt erreichen soll, nämlich die Allokation der Rohstoffe, wird überflüssig, sobald der Markt verschwindet.

Es gibt noch einen zweiten großen Effekt

In einem Abschnitt von Yuval Noah Hararis Buch *Eine kurze Geschichte der Menschheit* wird diskutiert, ob die Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft glücklich sind. Eine Sache wurde dabei nicht untersucht: das Erhalten von Geschenken.

Wenn uns jeden Tag alles geschenkt würde – wäre das dann nicht wie täglich Weihnachten oder Geburtstag? Wäre das nicht das größte Glück der Welt, wenn wir uns keine Sorgen mehr darüber machen müssten, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten?

Außerdem könnten wir Arbeit finden, die unseren Talenten und Vorlieben entspricht, sobald Löhne keine Rolle mehr spielen.

Ein Notfallplan

Vor 50 Jahren warnte der Club of Rome eindringlich vor den Gefahren fortschreitenden Wirtschaftswachstums. Aber die Wirtschaft wächst noch heute unbegrenzt weiter, obwohl wir bereits die globalen Grenzen überschritten haben.

Berlin, den 25.03.2026

Eberhard Licht

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6 Gedanken zu „Die große Revolution der Menschheit“

  1. Also, ich könnte mir diese Welt gut vorstellen. Ich nähe sehr gerne, aber in meiner Familie braucht niemand etwas. Wenn wirklich alle mit dem demokratisch kontrollierten Internet verbunden wären, und jemand eine Hose braucht, könnte er doch eine Anforderung schicken und eine vertrauenswürdige KI würde diese Anforderung zu mir weiterleiten, weil sie weiß, dass ich gerne nähe. Ich würde ihm dann eine Hose nähen und wäre froh, etwas nützliches gemacht zu haben, worüber sich jemand freut. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich dann immer mal ein Foto bekomme, wo er mit der neuen Hose war.
    Also ich wünsche ihnen viel Erfolg mit diesem Plan!
    Herzliche Grüße, Hanna

  2. Was bei der Hose funktioniert, muss noch lange nicht beim Smartphone klappen. Einen Smartphone herzustellen erfordert:
    – Seltene Erden aus China
    – Chip-Fertigung in Taiwan
    – Display-Produktion in Südkorea
    – Software-Entwicklung global verteilt
    – Logistik über Kontinente
    – Tausende spezialisierte Zulieferer

    Das Ganze ohne Geld zu koordinieren ist ein Alptraum!
    Aber ich wünsche ebenso viel Erfolg mit diesem Plan!

    1. Das Besondere an diesem Plan ist ja gerade, dass es nicht wie beim Sozialismus frustrierende Enteignungen geben muss, die zum Chaos führen könnten, denn das Eigentum wird von alleine überflüssig. Aber dazu muss man alles lesen. In Punkt 5 ist genau beschrieben, dass es beim Übergang überhaupt keine Veränderungen gibt. Seltene Erden und Chips werden weiterhin geliefert. Warum auch nicht, wenn es keine Preiskämpfe mehr gibt? Werden die seltenen Erden natürlich unter unmenschlichen oder umweltschädlichen Bedingungen gewonnen, dann dauert es vielleicht ein halbes Jahr länger, bis ein neues Handy verfügbar ist, bis diese Bedingungen verbessert sind.
      Wichtig ist auch Punkt 4.6. Die Grenzen unserer Vorstellungskraft.
      Gerade das Geld ist der Alptraum, das Preisdumping und Ausbeutung des globalen Südens ermöglicht.

  3. Naja es gibt viele Idee für eine Gesellschaft ohne Geld. Leider scheitern die oft an der Umsetzung, da Geld auch Vorteile hat. Ich selber war ein Freund des Venus Projektes, aber eine konkrete Umsetzung sehen ich leider nicht. Ich finde man muss die Menschen erst von dem Geld entwöhnen und dann kann man über die Abschaffung von Geld nachdenken. Die Löhne wie in dem Text als Problem dargestellt, sind jedoch kein Problem. Und der Verzicht auf Löhne wird meiner Ansicht nach leider nicht zum Ziel frühen. Hier wird leider eine rein utopische Idee präsentiert, die so nicht umsetzbar ist.

    1. Ein „Entwöhnen“ funktioniert nicht, weil es sich nicht gegen das jährliche Wirtschaftswachstum von mehreren Billionen durchsetzen kann. Genau deshalb haben das Venus Projekt und alle anderen Postwachstumsideen keinen Erfolg.
      Warum die Löhne?
      Was macht Bosch, wenn die Belegschaft eine Lohnerhöhung durchgesetzt hat? Es müssen mehr Waschmaschinen verkauft werden, weil das Geld für die höheren Löhne nicht vom Himmel fällt. Sie werden dann so konstruiert, dass sie sich nicht mehr reparieren lassen. So einfach funktioniert die zerstörerische Wachstumsspirale. Und nebenbei steigen natürlich auch die Profite.
      Die Abschaffung der Löhne wäre eine friedliche Revolution, die jederzeit erfolgen könnte. Die Wirtschaft würde vorerst unverändert weitergehen, nur dass keine Kosten mehr entstehen und alles gratis ist. Was soll daran Utopie sein? Genau so funktioniert die gesamte Reproduktion, ohne die es keine Wirtschaft gäbe!
      Damit wären die Voraussetzungen für das Venus-Projekt geschaffen. Auch das Problem der Wuchermieten wäre gelöst, weil die Eigentümer nichts mehr mit den Mieteinnahmen kaufen könnten. So löst sich mit dem Finanzsystem auch das Eigentum an Produktionsmitteln und Immobilien auf. Enteignungen wären nicht erforderlich.
      Am besten, du liest mal den Text durch, da ist wirklich alles genau beschrieben.

  4. Hi Eberhard,
    ich bin von deinen Ausführungen richtig begeistert und überzeugt; nicht nur weil sie meiner eigenen Vision von Utopia ist machbar.de sehr ähneln, sondern auch weil du die positiven Möglichkeiten von KI und Digitalisierung hervorhebst. Denn damit ist es zum 1. Mal in der Menschheitsgeschichte möglich den Bedarf von 8 Milliarden Menschen zu ermitteln und die Produktions – und Transportwege darauf abzustimmen, dass alle Menschen „just in time“ das kriegen was sie brauchen und welche Arbeiten dafür nötig sind, um das zu realisieren.(Von nüchts, kommt ja bekanntlich nüchts)
    Für eine 100%tige Zustimmung/Unterstützung fehlt mir aber ein Punkt: Mangelnde Unterstützung der Bevölkerung
    Die macht sich an folgenden Punkten/Argumenten fest:
    a) wenn alles umsonst ist, geht keine*r mehr arbeiten
    b) nach dem totalen Hamstern, folgen leere Regale und Chaos
    c) warum soll ich bei so einem Experiment mitmachen, mit dem Klima ist doch Humbug und ich kann mir auch jetzt schon alles leisten, was ich brauche
    d) das ist schreiende Ungerechtigkeit: Die Bankangestellten, Kassierer*innen, Buchhalter*innen, Kontrollettis und Börsianer*innen fahren am Tag X alle in Urlaub oder machen sich einen faulen Lenz und ich als LKW-Fahrer*in, Lehrer*in, Erzieher*in oder Putzmann/frau etc. soll weiter 8-10 h schuppern wie gewohnt?
    Das sind leider ernstzunehmende Widerstände. Mein Vorschlag diese zu entkräften wäre ein weltweites digitales Netzwerk zur Vorbereitung der Abschaffung des Geldes. Wenn alle Menschen, die nach Zeit und Art frei gewählte Tätigkeit, (deswegen sage ich nicht Arbeit dazu)die irgendwie für einen anderen Menschen oder der Allgemeinheit nützlich sein kann in das Netz einspeisen würden und dazu natürlich der individuelle Bedarf, kann dank KI gesehen werden, wieviel Zeit für Produktion und Distribution dafür aufgewendet werden müsste. Und bei der Frage, „wenn du für nichts mehr bezahlen müsstest, alles nehmen kannst, was du brauchst und als Gegenleistung z.B. nur 10 h in der Woche eine frei gewählte Tätigkeit, die einem anderen Menschen oder der Gemeinschaft nützt, machen müsstest, wärest du dann glücklicher als heute?“ haben 90% aller von mir befragten Menschen mit „ja“ geantwortet. D.h. die mögliche Änderung der heutigen Arbeitsbedingungen/Arbeitsplatzes hat m.E. eine viel größere Überzeugungskraft für die Abschaffung des Geldes als das Argument „wir können ohne Vorbereitung sofort anfangen“.
    Ganz abgesehen davon, würden bei meinem Modell die oben aufgeführten Widerstände entkräftet.
    -a) es ist nichts umsonst, jede*r (auch die heutigen Reichen) muss dafür was tun
    b) durch das vorher transparent erstellte Netzwerk hat jede*r die Sicherheit, dass es zu keinen Versorgungslücken oder Chaos kommt.
    c) fast jede*r hat Lust jenseits seinem/ihren Beruf mal was anderes zu machen
    d) jede*r nach seinen/ihren Bedürfnissen, jede*r nach seinen ihren Fähigkeiten – mehr Gerechtigkeit geht nicht
    Der übliche Einwand an dieser Stelle: Was ist mit der Drecksarbeit, die keine*r machen will? – 3 Lösungen:
    a) Rotationsprinzip: alle müssen mal für ein paar Stunden ran
    b) Belohnung: 2 h entfremdete Arbeit zählen wie 1 h selbstbestimmte Tätigkeit
    c) Roboter/KI übernehmen diese Arbeit

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