Ein Notfallplan für eine
Wirtschaft ohne Wachstumszwang
Warum der Kapitalismus
an seine Grenzen stößt
Unsere Wirtschaft steht unter enormem Druck. Klimakrise, Ressourcenverbrauch und soziale Ungleichheit zeigen immer deutlicher die Grenzen des gegenwärtigen Systems.
Die zentrale Frage lautet:
Wie kann die Wirtschaft weiter funktionieren, ohne dass sie unseren Planeten zerstört?
Hier wird ein möglicher Notfallplan für den Übergang in eine Wirtschaft vorgestellt, die für die Menschen und nicht für den Profit da ist.
Die Grundidee ist einfach:
Die Produktion läuft weiter – aber sie orientiert sich nur noch an dem, was Menschen wirklich für ein würdiges Leben brauchen.
Eine Wirtschaft, die alle Menschen versorgt
Heute verhindert der Markt, dass alle Menschen weltweit bedingungslos mit dem Notwendigen versorgt werden.
Gleichzeitig produziert die Weltwirtschaft weit mehr, als tatsächlich benötigt wird. Schätzungen zeigen:
Wir produzieren heute fast doppelt so viel, wie für ein gutes Leben aller Menschen notwendig wäre.
Der Grund dafür liegt im System selbst.
Im Kapitalismus wird nicht produziert, um Bedürfnisse zu erfüllen, sondern um Gewinne zu erzielen und Kapital zu vermehren.
Deshalb erzeugt der Wettbewerb ständig neuen Wachstumsdruck und obwohl die Systemgrenzen bereits überschritten sind, sorgt die Politik für immer mehr Wachstum.
Dieses System des Wettbewerbes und des Marktes hat keinen Regelmechanismus, der das Wachstum drosseln kann. Die Politiker haben ja schließlich die Sicherung unseres Wohlstandes und nicht die Bewahrung der Erde versprochen.
Können wir überhaupt etwas gegen das zerstörerische Wachstum tun?
Ein Blick auf den Lockdown 2020
Der erste Covid-Lockdown im März 2020 hat gezeigt, wie schnell große Teile der Weltwirtschaft heruntergefahren werden können. Innerhalb weniger Tage wurden viele wirtschaftliche Aktivitäten reduziert oder gestoppt. Das Wachstum wurde nicht nur radikal gestoppt, sondern die Wirtschaft schrumpfte sogar.
Trotzdem kam es nicht zu einem Zusammenbruch der Grundversorgung.
Das zeigt: Eine Gesellschaft kann ihre Produktion auch gezielt begrenzen, ohne dass Menschen hungern oder ohne Versorgung bleiben.
Für eine ökologische Krise oder einen möglichen Kollaps unseres Wirtschaftssystems gibt es jedoch keinen vergleichbaren Notfallplan.
Wachstum, Wettbewerb und Markt hängen unmittelbar zusammen.
Brauchen wir denn den Markt überhaupt noch?
Früher war der Markt notwendig, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen.
Produzenten mussten ihre Waren auf Märkte bringen, wo sie mit Geld gekauft wurden.
Heute hat sich die Situation verändert. Durch globale digitale Vernetzung können Menschen ihren Bedarf direkt mitteilen.
Produzenten können Waren genau dann herstellen oder liefern, wenn sie benötigt werden.
Dieses Prinzip wird bereits in vielen Industrien genutzt und heißt:
- Just-in-time-Produktion.
Die Optimierung der Versorgungsketten wäre eine wirkliche Aufgabe für die künstliche Intelligenz.
Das bedeutet:
Der Markt ist nicht mehr der einzige Weg, Produktion zu koordinieren.
Viele sagen: Das ist doch Utopie!
Ein einfaches Vorbild: die Familie, die die Hälfte des gesellschaftlichen Lebens ausmacht. Dieser Bereich der Wirtschaft ist bloß nicht sichtbar, weil er ohne Markt und Geld funktioniert und deshalb nicht in das BIP eingeht.
Ein funktionierendes Beispiel für eine Wirtschaft ohne Markt existiert bereits – im Alltag jeder Familie.
Innerhalb von Familien gilt:
- Niemand stellt Rechnungen aus
- Niemand verlangt Lohn
- Es wird einfach getan, was nötig ist
- Essen wird gekocht, wenn Menschen hungrig sind.
- Das Bad wird geputzt, wenn es schmutzig ist.
Niemand würde zur Auswahl drei Mahlzeiten kochen, um dann zwei wegzuwerfen.
Die Versorgung orientiert sich direkt am Bedarf.
Was würde passieren, wenn wir dieses Prinzip auf die Wirtschaft übertragen?
Stellen wir uns vor:
Die finanzielle Ebene der Wirtschaft – Preise, Rechnungen und Löhne – würde abgeschaltet. Auch Marx sah die Löhne als Quelle des Mehrwertes und Profits.
Nicht die Löhne sollen abschafft werden, sondern lediglich die Buchhaltung. Dann entstehen in der Wirtschaft keine Kosten mehr und die aus den ursprünglich kostenlosen Rohstoffen hergestellten Produkte können gratis an alle Menschen abgegeben werden.
Die physische Wirtschaft müsste sich dazu überhaupt nicht verändern:
- Fabriken produzieren weiterhin
- Lieferketten funktionieren weiter
- Menschen arbeiten weiterhin
Der Unterschied wäre nur: Produziert wird ausschließlich das, was tatsächlich gebraucht wird.
- Alle Güter der Grundversorgung wären frei verfügbar.
- Kein Mensch wäre mehr ausgeschlossen.
- Eine Wirtschaft des Schenkens
In einer solchen Wirtschaft würde sich auch das Verhalten der Menschen verändern.
- Wenn Produkte Geschenke sind:
- braucht niemand Werbung
- gibt es keinen Zwang zur Überproduktion
- konzentriert sich Innovation auf Qualität, Haltbarkeit und Reparierbarkeit und vollständiges Recycling, wodurch der Rohstoffbedarf sehr stark abnimmt.
Der Wettbewerb würde sich nicht mehr darum drehen, mehr zu verkaufen, sondern darum, bessere Lösungen zu entwickeln.
Alle Menschen wären bedingungslos versorgt.
Ein Übergang ohne Enteignung
Ein solcher Übergang müsste nicht durch Vergesellschaftung und Enteignung erfolgen.
Wenn Güter frei verfügbar sind, verliert Eigentum automatisch seine ausschließende Funktion, denn auch heutige Eigentümer wären bedingungslos versorgt. Mit ihren Einnahmen aus ihrem Kapital könnten sie nichts kaufen.
Der Unterschied wäre lediglich: Kapital könnte nicht mehr zur Akkumulation von Reichtum genutzt werden.
Was bleibt, ist Verantwortung für die vorhandenen Ressourcen.
Wachsen Bedürfnisse dann ins Unendliche?
Ein häufiger Einwand lautet: Wenn Güter kostenlos sind, werden Menschen unbegrenzt konsumieren.
Diese Annahme ist jedoch weder empirisch noch theoretisch nachweisbar.
Der Unterschied zwischen Bedarf und Nachfrage
Im Kapitalismus erscheint Bedarf nur als zahlungsfähige Nachfrage.
Das bedeutet: Nur wer Geld hat, kann seinen Bedarf sichtbar machen.
Doch Nachfrage ist nicht dasselbe wie Bedarf.
Viele Menschen haben Bedürfnisse, können sie aber nicht bezahlen – andere kaufen Dinge, die sie eigentlich gar nicht brauchen.
Warum der Kapitalismus Überproduktion erzeugt
Überproduktion entsteht nicht, weil Menschen maßlos konsumieren.
Sie entsteht, weil Unternehmen ständig neue Absatzmärkte schaffen müssen.
Typische Mechanismen sind:
- geplante kurze Lebensdauer von Produkten
- intensive Werbung
- künstlich erzeugte Bedürfnisse, die es normalerweise nicht gäbe
- kreditfinanziertes Wachstum
Diese Mechanismen dienen nicht der Bedürfnisbefriedigung, sondern der Stabilisierung von Märkten.
Sind menschliche Bedürfnisse wirklich unbegrenzt?
Soziologische und psychologische Studien zeigen:
Wenn die grundlegenden Bedürfnisse erfüllt sind, wächst der materielle Konsum kaum weiter.
Menschen streben vor allem nach:
- Sicherheit
- sozialer Anerkennung
- Sinn
- Selbstverwirklichung
Nicht nach unbegrenztem materiellen Besitz.
Wie sich Konsum ohne Markt verändern würde
Wenn Einkommen und Preise ihre Bedeutung verlieren, verändert sich auch Konsum.
- Statussymbole verlieren ihre Funktion.
- Produkte würden stärker nach realem Nutzen ausgewählt:
- langlebige Produkte
- reparierbare Technik
- hochwertige Materialien
- Kurzlebiger Ersatzkonsum würde verschwinden.
Vier Grundprinzipien einer Wirtschaft der direkten Versorgung (Einfache Wirtschaft)
-
Trennung von realer Wirtschaft und Geldsystem
Produktion, Transport und Konsum sind physische Prozesse.
Geld, Preise und Buchhaltung sind lediglich ein Abbild dieser Prozesse.
Die reale Wirtschaft könnte weiter funktionieren, auch wenn dieses finanzielle Abbild entfällt.
-
Grundversorgung für alle
Wenn alle Menschen Zugang zu den notwendigen Gütern haben, entfällt der Zwang, Arbeit oder Produkte verkaufen zu müssen.
Arbeit kann sich an Sinn und gesellschaftlichem Nutzen orientieren.
-
Koordination durch Information statt Preise
Ein global vernetztes System könnte Bedarfe direkt sichtbar machen.
Wenn ein Produkt knapp wird, zeigt das System sofort:
- wo Bedarf besteht
- wo produziert werden muss
- wo Ressourcen fehlen
Information und AI ersetzt Preis als Steuerungsmechanismus.
-
Der Freigebigkeits-Effekt
Wenn die Angst vor materieller Knappheit verschwindet, verändert sich auch menschliches Verhalten.
Viele Studien und Erfahrungen zeigen:
- Menschen werden unter sicheren Bedingungen kooperativer und großzügiger.
- Die Wirtschaft würde sich stärker auf Zusammenarbeit statt Konkurrenz stützen.
Wie könnte der Übergang stattfinden?
Ein solcher Systemwechsel müsste weltweit gleichzeitig erfolgen, damit alle Rohstoffe und Zwischenprodukte gleichzeitig ihren finanziellen, ihren Tauschwert verlieren.
So könnte es funktionieren:
Wenn Staaten wegen eines Virus die Wirtschaft stilllegen können, sollten sie bei einer globalen ökologischen Krise auch die Buchhaltung der Wirtschaft aussetzen können, um die Versorgung aller Menschen zu sichern.
Der Covid-Lockdown als Beispiel für einen globalen Notfallmechanismus
Der erste Covid-19-Lockdown im März 2020 war in vieler Hinsicht außergewöhnlich und für viele Menschen sehr ärgerlich.
Aber innerhalb weniger Tage wurden große Teile der Weltwirtschaft heruntergefahren. Fabriken stoppten ihre Produktion, Geschäfte schlossen, Reisen wurden eingeschränkt.
Dieser Eingriff erfolgte nicht durch langwierige parlamentarische Prozesse, sondern im Exekutivmodus der Regierungen.
In Deutschland war die rechtliche Grundlage dafür insbesondere §28 des Infektionsschutzgesetzes, der bei einer epidemischen Lage Maßnahmen zur Gefahrenabwehr erlaubt.
Der Lockdown war daher kein klassisches Beispiel demokratischer Entscheidungsprozesse. Dennoch zeigte er etwas Entscheidendes:
Moderne Gesellschaften sind in der Lage, ihre wirtschaftliche Aktivität innerhalb kürzester Zeit massiv zu verändern, wenn eine existenzielle Gefahr erkannt wird.
Überraschende Stabilität der Versorgung
Trotz der drastischen Einschränkungen brach die Grundversorgung nicht zusammen.
Lebensmittelproduktion, Energieversorgung, Logistik und Gesundheitswesen funktionierten weiter. Die Gesellschaft konzentrierte sich spontan auf die Aufrechterhaltung der wichtigsten Versorgungsstrukturen.
Zugleich entstand weltweit eine bemerkenswerte Form sozialer Kooperation:
- Menschen akzeptierten Einschränkungen ihres Alltags
- viele arbeiteten unter schwierigen Bedingungen weiter
- Nachbarschaftshilfe und freiwilliges Engagement nahmen zu
Der Lockdown zeigte damit, dass in einer Krisensituation Solidarität und Disziplin gesellschaftlich mobilisierbar sind.
Die Lehre aus der Pandemie
Die Pandemie hat gezeigt, dass Staaten über Instrumente verfügen, um auf akute Gefahren schnell zu reagieren.
Diese Instrumente sind jedoch bisher auf gesundheitliche Krisen beschränkt.
Für eine andere, möglicherweise noch größere Bedrohung unserer Zeit – den Klimawandel und die ökologische Überlastung der Erde – existiert bislang kein vergleichbarer institutioneller Mechanismus.
Es gibt viele politische Programme und internationale Abkommen, aber kein rechtliches Instrument, das im Ernstfall einen schnellen systemischen Eingriff erlaubt.
Die institutionelle Lücke
Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist stark vom Zwang zum Wachstum abhängig.
Selbst wenn Regierungen ökologische Ziele formulieren, bleibt die Wirtschaft weiterhin an Märkte, Gewinne und Kapitalverwertung gebunden.
In einer Situation globaler ökologischer Gefahr kann dies zu einem paradoxen Ergebnis führen:
Die Politik erkennt die Notwendigkeit drastischer Veränderungen, während das ökonomische System gleichzeitig auf weiteres Wachstum angewiesen bleibt.
Hier entsteht eine strukturelle Blockade.
Ein möglicher Ausweg: ein Klimanotstandsmechanismus
Analog zum Infektionsschutzrecht könnte ein international abgestimmtes Klimanotstandsgesetz geschaffen werden.
Ein solches Gesetz würde definieren, unter welchen Bedingungen eine ökologische Gefahrenlage vorliegt und welche außergewöhnlichen Maßnahmen dann zulässig sind.
Der entscheidende Punkt wäre ein spezieller Notfallmechanismus für die Wirtschaft, damit die Versorgung der Menschen nicht wegen der Verwertungslogik des Marktes kollabiert.
Ein möglicher Paragraph: Sicherung der globalen Versorgung
Ein zentraler Bestandteil eines solchen Gesetzes könnte ein Paragraph sein, der bei Auslösung des Klimanotstandes automatisch die finanzielle Steuerungsebene der Wirtschaft aussetzt. Für die Durchsetzung ist dann nur noch die Exekutive zuständig. Das bedeutet, dass das Gesetz der „Unsichtbaren Hand des Marktes“ außer Kraft gesetzt wird.
Umsetzung:
- Rechnungslegung wird ausgesetzt
- Lohnabrechnungen entfallen
- Preise verlieren ihre steuernde Funktion
Die physische Wirtschaft – Produktion, Transport und Versorgung – läuft jedoch weiter, die Verteilung der Waren geschieht nicht mehr über den Markt sondern sie erfolgt direkt nach dem Bedarf der Menschen, der mit Hilfe der globalen Vernetzung kommuniziert wird Die AI optimiert die Logistikprozesse.
Werbung entfällt automatisch, der Bedarf wird nicht mehr stimuliert.
Der Zweck eines solchen Mechanismus wäre klar definiert:
Die bedingungslose Versorgung aller Menschen mit lebensnotwendigen Gütern in einer globalen Krisensituation sicherzustellen.
Das Buch zum kostenlosen download:
Ein kleines Erklär-Video (5 Minuten)
Hier gibt es noch ein Buch im pdf-Format
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Berlin, den 05.03.2026
Eberhard Licht

Also, ich könnte mir diese Welt gut vorstellen. Ich nähe sehr gerne, aber in meiner Familie braucht niemand etwas. Wenn wirklich alle mit dem demokratisch kontrollierten Internet verbunden wären, und jemand eine Hose braucht, könnte er doch eine Anforderung schicken und eine vertrauenswürdige KI würde diese Anforderung zu mir weiterleiten, weil sie weiß, dass ich gerne nähe. Ich würde ihm dann eine Hose nähen und wäre froh, etwas nützliches gemacht zu haben, worüber sich jemand freut. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich dann immer mal ein Foto bekomme, wo er mit der neuen Hose war.
Also ich wünsche ihnen viel Erfolg mit diesem Plan!
Herzliche Grüße, Hanna
Was bei der Hose funktioniert, muss noch lange nicht beim Smartphone klappen. Einen Smartphone herzustellen erfordert:
– Seltene Erden aus China
– Chip-Fertigung in Taiwan
– Display-Produktion in Südkorea
– Software-Entwicklung global verteilt
– Logistik über Kontinente
– Tausende spezialisierte Zulieferer
Das Ganze ohne Geld zu koordinieren ist ein Alptraum!
Aber ich wünsche ebenso viel Erfolg mit diesem Plan!
Das Besondere an diesem Plan ist ja gerade, dass es nicht wie beim Sozialismus frustrierende Enteignungen geben muss, die zum Chaos führen könnten, denn das Eigentum wird von alleine überflüssig. Aber dazu muss man alles lesen. In Punkt 5 ist genau beschrieben, dass es beim Übergang überhaupt keine Veränderungen gibt. Seltene Erden und Chips werden weiterhin geliefert. Warum auch nicht, wenn es keine Preiskämpfe mehr gibt? Werden die seltenen Erden natürlich unter unmenschlichen oder umweltschädlichen Bedingungen gewonnen, dann dauert es vielleicht ein halbes Jahr länger, bis ein neues Handy verfügbar ist, bis diese Bedingungen verbessert sind.
Wichtig ist auch Punkt 4.6. Die Grenzen unserer Vorstellungskraft.
Gerade das Geld ist der Alptraum, das Preisdumping und Ausbeutung des globalen Südens ermöglicht.
Naja es gibt viele Idee für eine Gesellschaft ohne Geld. Leider scheitern die oft an der Umsetzung, da Geld auch Vorteile hat. Ich selber war ein Freund des Venus Projektes, aber eine konkrete Umsetzung sehen ich leider nicht. Ich finde man muss die Menschen erst von dem Geld entwöhnen und dann kann man über die Abschaffung von Geld nachdenken. Die Löhne wie in dem Text als Problem dargestellt, sind jedoch kein Problem. Und der Verzicht auf Löhne wird meiner Ansicht nach leider nicht zum Ziel frühen. Hier wird leider eine rein utopische Idee präsentiert, die so nicht umsetzbar ist.
Ein „Entwöhnen“ funktioniert nicht, weil es sich nicht gegen das jährliche Wirtschaftswachstum von mehreren Billionen durchsetzen kann. Genau deshalb haben das Venus Projekt und alle anderen Postwachstumsideen keinen Erfolg.
Warum die Löhne?
Was macht Bosch, wenn die Belegschaft eine Lohnerhöhung durchgesetzt hat? Es müssen mehr Waschmaschinen verkauft werden, weil das Geld für die höheren Löhne nicht vom Himmel fällt. Sie werden dann so konstruiert, dass sie sich nicht mehr reparieren lassen. So einfach funktioniert die zerstörerische Wachstumsspirale. Und nebenbei steigen natürlich auch die Profite.
Die Abschaffung der Löhne wäre eine friedliche Revolution, die jederzeit erfolgen könnte. Die Wirtschaft würde vorerst unverändert weitergehen, nur dass keine Kosten mehr entstehen und alles gratis ist. Was soll daran Utopie sein? Genau so funktioniert die gesamte Reproduktion, ohne die es keine Wirtschaft gäbe!
Damit wären die Voraussetzungen für das Venus-Projekt geschaffen. Auch das Problem der Wuchermieten wäre gelöst, weil die Eigentümer nichts mehr mit den Mieteinnahmen kaufen könnten. So löst sich mit dem Finanzsystem auch das Eigentum an Produktionsmitteln und Immobilien auf. Enteignungen wären nicht erforderlich.
Am besten, du liest mal den Text durch, da ist wirklich alles genau beschrieben.
Hi Eberhard,
ich bin von deinen Ausführungen richtig begeistert und überzeugt; nicht nur weil sie meiner eigenen Vision von Utopia ist machbar.de sehr ähneln, sondern auch weil du die positiven Möglichkeiten von KI und Digitalisierung hervorhebst. Denn damit ist es zum 1. Mal in der Menschheitsgeschichte möglich den Bedarf von 8 Milliarden Menschen zu ermitteln und die Produktions – und Transportwege darauf abzustimmen, dass alle Menschen „just in time“ das kriegen was sie brauchen und welche Arbeiten dafür nötig sind, um das zu realisieren.(Von nüchts, kommt ja bekanntlich nüchts)
Für eine 100%tige Zustimmung/Unterstützung fehlt mir aber ein Punkt: Mangelnde Unterstützung der Bevölkerung
Die macht sich an folgenden Punkten/Argumenten fest:
a) wenn alles umsonst ist, geht keine*r mehr arbeiten
b) nach dem totalen Hamstern, folgen leere Regale und Chaos
c) warum soll ich bei so einem Experiment mitmachen, mit dem Klima ist doch Humbug und ich kann mir auch jetzt schon alles leisten, was ich brauche
d) das ist schreiende Ungerechtigkeit: Die Bankangestellten, Kassierer*innen, Buchhalter*innen, Kontrollettis und Börsianer*innen fahren am Tag X alle in Urlaub oder machen sich einen faulen Lenz und ich als LKW-Fahrer*in, Lehrer*in, Erzieher*in oder Putzmann/frau etc. soll weiter 8-10 h schuppern wie gewohnt?
Das sind leider ernstzunehmende Widerstände. Mein Vorschlag diese zu entkräften wäre ein weltweites digitales Netzwerk zur Vorbereitung der Abschaffung des Geldes. Wenn alle Menschen, die nach Zeit und Art frei gewählte Tätigkeit, (deswegen sage ich nicht Arbeit dazu)die irgendwie für einen anderen Menschen oder der Allgemeinheit nützlich sein kann in das Netz einspeisen würden und dazu natürlich der individuelle Bedarf, kann dank KI gesehen werden, wieviel Zeit für Produktion und Distribution dafür aufgewendet werden müsste. Und bei der Frage, „wenn du für nichts mehr bezahlen müsstest, alles nehmen kannst, was du brauchst und als Gegenleistung z.B. nur 10 h in der Woche eine frei gewählte Tätigkeit, die einem anderen Menschen oder der Gemeinschaft nützt, machen müsstest, wärest du dann glücklicher als heute?“ haben 90% aller von mir befragten Menschen mit „ja“ geantwortet. D.h. die mögliche Änderung der heutigen Arbeitsbedingungen/Arbeitsplatzes hat m.E. eine viel größere Überzeugungskraft für die Abschaffung des Geldes als das Argument „wir können ohne Vorbereitung sofort anfangen“.
Ganz abgesehen davon, würden bei meinem Modell die oben aufgeführten Widerstände entkräftet.
-a) es ist nichts umsonst, jede*r (auch die heutigen Reichen) muss dafür was tun
b) durch das vorher transparent erstellte Netzwerk hat jede*r die Sicherheit, dass es zu keinen Versorgungslücken oder Chaos kommt.
c) fast jede*r hat Lust jenseits seinem/ihren Beruf mal was anderes zu machen
d) jede*r nach seinen/ihren Bedürfnissen, jede*r nach seinen ihren Fähigkeiten – mehr Gerechtigkeit geht nicht
Der übliche Einwand an dieser Stelle: Was ist mit der Drecksarbeit, die keine*r machen will? – 3 Lösungen:
a) Rotationsprinzip: alle müssen mal für ein paar Stunden ran
b) Belohnung: 2 h entfremdete Arbeit zählen wie 1 h selbstbestimmte Tätigkeit
c) Roboter/KI übernehmen diese Arbeit