Geld und Gerechtigkeit

Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Dies ist eine allgemein bekannte und akzeptierte Tatsache. Grund dafür ist das Geld. Wenn es kein Geld mehr gäbe, gäbe es auch kein Arm und Reich mehr.

Mit einem geldbasierten Gesellschaftsmodell werden wir immer den Lösungen hinterher laufen, ohne sie zu erreichen. Wir drehen uns im Kreis.

Kaum sind Wirtschaft und globaler Transport durch den Corona-Lockdown soweit heruntergefahren, dass es einen Moment der Hoffnung gibt, die CO2-verursachte Erderwärmung aufzuhalten, schon sind die Politiker wieder dabei, mit sehr viel Geld den unheilvollen Konsum-Wegwerf-Kreislauf erneut anzutreiben. Klimaschützer hätten froh über den Lockdown sein müssen aber keine Klimaschutzinitiative hat auch nur versucht, diesen Ruhezustand festzuhalten. Grund dafür ist, dass es jeder Mensch als selbstverständlich ansieht, dass Geld verdient werden muss. Und solange es Geld gibt, wird es auch so bleiben.

Der Schweizer Soziologe, Politiker und einer der bekanntesten Kapitalismus- und Globalisierungskritiker Jean Ziegler vertritt deutlich die Meinung, dass es einen Systemwechsel geben muss und auch geben wird, um die Ungerechtigkeit auf der Welt zu beseitigen. Er sieht die Lösung in einer planetarischen Zivilgesellschaft. Zivilgesellschaft funktioniert jedoch nur auf freiwilliger Basis. Erst wenn es kein Geld gibt, kann man diese allgemeine Gesellschaft verwirklichen.

Papst Franziskus engagiert sich leidenschaftlich und aktiv für die Beseitigung der Ungerechtigkeit auf der Welt. Er stellt in seinen Schriften die Liebe in den Mittelpunkt. Die geschwisterliche Liebe zwischen allen Menschen auf unserer Erde. Wenn diese Liebe Wirklichkeit ist, gibt es keine Benachteiligten mehr, da jeder auf den Vorteil des anderen bedacht ist. Aber wo Geld im Spiel ist, kann es keine Liebe geben da geschwisterliche Liebe nur unentgeltlich sein kann. Für diesen Widerspruch gibt es nur eine Lösung: Die Abschaffung des Geldes.

Heutige Philosophen und Denker sehen den Beginn eines neuen Zeitalters anbrechen, den des planetarischen Zeitalters. Die Menschheit ist erstmals in der Lage, sich von der Schwerkraft zu befreien, unseren Planeten von außen zu betrachten und seine Zerbrechlichkeit zu erahnen. Dazu kommt, dass wir durch den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt heute in der Lage wären, allen Menschen auf der Erde ein Leben ohne Not zu ermöglichen. So etwas gab es noch nie. Die Menschheit ist bereit für einen großen Schritt hin zu einer neuen Qualität des Zusammenlebens. Hin zu einem Miteinander in geschwisterlicher Liebe ohne den begrenzenden Maßstab des Geldes. Das Verhalten nahezu der gesamten Menschheit beim Covid-19-Lockdown hat auch gezeigt, welch drastische und plötzliche Veränderungen von uns fast problemlos bewältigt werden können.

Wie will man das bewerkstelligen, ein Leben ohne Geld?

Ganz einfach. Man legt einen Stichtag fest von dem an alle Menschen auf der Welt das gleiche machen, was sie bisher auch taten. Aber niemand bekommt Geld dafür und niemand muss etwas bezahlen. Jeder arbeitet umsonst aber er bekommt ungefähr das, was er sich bisher regelmäßig kaufte, umsonst. Der Zwang, immer mehr kaufen zu müssen wird dann nicht mehr da sein, da niemand Profit erzielen kann.

Niemand wird Werbung in Auftrag geben, aber die Menschen, die bisher in der Werbebranche arbeiteten, erhalten trotzdem die regelmäßigen Dinge, die sie bisher auch erhielten, weil diese einfach zur Verfügung stehen. Aber sie könnten zu Hause bleiben. Nach einiger Zeit werden sie sich langweilen und sich eine Tätigkeit suchen, zu der sie sich hingezogen fühlen, ohne ein Arbeitsamt bemühen zu müssen. Vielleicht helfen sie in Branchen, in denen es einen Engpass gibt.

Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Branchen, die dann nicht mehr benötigt werden.

Leistung entsteht durch Dankbarkeit und Freude, etwas für andere tun zu können. Diese Dankbarkeit wird die Menschen beflügeln und den Motor der Angst um den Arbeitsplatz oder der Gier nach mehr Lohn ersetzen.

Es wird beim Übergang in diese geldlose Gesellschaft auch keine Enteignungen geben müssen, da Eigentum, das man nicht braucht, von alleine abgegeben wird. Ein Beispiel: Ein Vermögender ist Eigentümer einer großen Landfläche mit einem Wert von, sagen wir, 10 Millionen Euro. Wenn es kein Geld mehr gibt, ist er trotzdem Eigentümer dieser Landfläche. Aber sie ist kein Wertgegenstand mehr sondern wird zu einer Last, von der er sich wahrscheinlich trennen wird. Er wird nur so viel Land behalten, wie er selbst bewirtschaften kann.

Vielleicht wenden sich auch manche Dinge zum Schlechten aber es wird vielmehr Dinge geben, die sich zum Guten wenden. Denken wir nur an das Verschwinden von Menschen- und Drogenhandel, Dumping, Mietwucher, Börsengeschäfte mit Lebensmitteln.