So befreien wir die Erde

Einleitung

Viele Christen spüren es bereits, das es Zeit ist, umzukehren. Dass uns und unserer Erde ein bisschen weniger gut tun würde. Wir Menschen in den entwickelten Industriestaaten leben über unsere Verhältnisse, und das oft auf Kosten derer in anderen Erdteilen. Aber es ist schwierig, unsere Gewohnheiten zu ändern – wo soll man anfangen.

Viele glauben nicht daran, dass es einen vom Menschen verschuldeten Klimawandel gibt. Aber ohne Grund ändern wir unser Verhalten nicht. Wir Menschen sind nicht dazu veranlagt, von selbst zu sagen – ich nehme mir weniger.

Was wäre, wenn wir zwar nicht daran glauben aber einfach mal annehmen, es gäbe tatsächlich die Gefahr des Klimawandels. Wäre es dann nicht einfacher zu sagen, ich nehme mir weniger um unsere Erde zu schonen?

Unser heutiger Zustand

Unsere Erde leidet, weil wir Raubbau betreiben an fossilen Brennstoffen, Rohstoffen und Energie. Oft leben wir auf Kosten unserer Schwestern und Brüder in anderen Erdteilen. Eine Besserung kann es nur geben, wenn die hemmungslose Ausbeutung der Ressourcen drastisch und schnell reduziert wird. Das ist ein Appell an alle Menschen, um dabei mit zu helfen.

Die Tatsachen zeigen, dass trotz des allgemeinen Wissens über die bevorstehende globale Katastrophe und trotz der deutlichen Zeichen (Schmelzen des Nordpols, Abholzung der Regenwälder, Verschmutzung der Meere mit Plastik) keine Veränderung des Verhaltens der Menschen in den entwickelten Industriestaaten zu erkennen ist. In diesen Staaten hat sich ein Belohnungssystem manifestiert. Wir belohnen uns fortgesetzt, indem wir Dinge kaufen, weit über unsere materiellen Grundbedürfnisse hinaus. Deshalb bleibt die Nachfrage nach Waren, die Ressourcen verbrauchen weiterhin stabil und sie wird durch Werbung und durch immer kurzlebigere Produkte weiter angetrieben. 

Schuld an dem Raubbau ist das herrschende Wirtschaftssystem, das ausschließlich auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Auf Grund der Globalisierung und der zunehmenden Flexibilität der Industrie ist die Politik immer weniger in der Lage, regelnd einzugreifen. Man kann das anhand der extrem langen Fristen für Klimaschutzmaßnahmen feststellen.

Die Industrie kann man sich vorstellen als eine große Maschine, die selbstständig läuft. Das Wirkprinzip ist der freie Markt, der die Maschine auf wunderbare Weise reguliert. Je schneller die Maschine läuft, desto mehr natürliche Ressourcen und fossile Brennstoffe werden verbraucht und desto mehr Abfall wird erzeugt. Niemand kann und darf in diese Maschine eingreifen. Das sagen die Politiker und Unternehmer. Deshalb ist es auch sehr schwierig oder sogar unmöglich, Klimaschutzmaßnahmen durchzusetzen.

Aber durch was wird die Maschine angetrieben? Die Maschine wird durch die Nachfrage der Menschen, also durch den Konsum der Verbraucher angetrieben. Wenn die Menschen plötzlich aufhören würden zu kaufen, bliebe die Maschine stehen.  Es gibt keinen anderen Antrieb für sie als den Konsum.

Wenn wir Verbraucher, wir Menschen, diese Maschine langsamer laufen lassen indem wir weniger konsumieren, wäre es viel besser für unsere Erde und damit für unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder und Nachkommen.

Wenn die Menschen in den entwickelten Industriestaaten es schaffen, auf Konsum,  der weit über die Grundbedürfnisse hinausgeht, zu verzichten, wird der Markt naturgemäß darauf reagieren und weniger produzieren und somit weniger Ressourcen verbrauchen.

Der Maschine „Industrie“ und dem Markt ist es egal, ob weniger produziert wird. Die Vertreter der Marktökonomie sagen selbst, dass der Markt flexibel ist und sich auf geniale Weise selbst reguliert.

Wenn weniger produziert wird, dann muss auch weniger gearbeitet werden. Es ist aber nicht schlimm, weniger zu arbeiten. Da weniger konsumiert werden muss macht es auch nichts aus, weniger zu verdienen, weil wir weniger Geld benötigen werden. Es ergibt sich auch ein großer Vorteil dadurch: der Stress der Menschen nimmt ab und es wird viel weniger Pendler, Autos und Staus geben.

Die zunehmende Freizeit kommt der Zivilgesellschaft zugute, die dann viele Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen kann. Aufgaben, zu denen sich die Menschen berufen fühlen und die sie freiwillig übernehmen werden. Aufgaben, die sie gerne erfüllen und für die sie nicht durch den Arbeitsmarkt vermittelt werden müssen.

Diejenigen, deren Gewinne geschmälert werden, werden warnen und drohen. Aber auch sie werden die angenehmen Seiten der Zivilgesellschaft genießen können wenn sie nicht mehr die Last und Verantwortung des Reichtums tragen müssen.

Lösung

Wir brauchen ein Instrument das in der Lage ist, die Nachfrage zu beeinflussen. Das Instrument der internationalen linken Bewegungen wird es nicht schaffen, ressourcenverschlingenden Konsum zu vermindern, da es hauptsächlich die Veränderung der Machtverhältnisse zum Ziel hat.

Eine Kraft, die in der Lage ist, den Konsum zu vermindern, ist der christliche Glaube, dem fast 1/3 der Weltbevölkerung folgt. Die Grundidee des Christentums, dessen absoluter Ursprung das irdische Leben von Jesus Christus ist, beruht auf dem Verzicht auf Konsum sowie auf gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfe untereinander. Das Christentum muss es schaffen,  zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

Es gab in der Geschichte bereits Beispiele, die beweisen, dass das Christentum, zumindest ein Teil davon, zu seinen ursprünglichen Idealen zurückkehren kann. Das bekannteste Beispiel ist Franziskus von Assisi und die Bewegung, die er ausgelöst hat. Auch unser gegenwärtiger Papst Franziskus ist ein Vertreter dieser Idee (siehe Enzyklika „Laudato Si“).

Aufruf

Christen, Menschen, werdet aktiv!

Wenn Menschen über ihre Verhältnisse leben dann verschulden sie sich. Wir haben uns bei der Erde und symbolisch auch bei unseren Mitmenschen in weniger vom Konsum geprägten Erdteilen verschuldet.

Wenn jemand verschuldet ist, dann muss er genau überlegen, wie er die Schulden abbauen kann. Er muss genau überlegen, was er wirklich zum Leben braucht, ohne Not zu leiden. Und nur das wird gekauft, nichts anderes.

Versucht, euch vorzustellen, ihr seid tief verschuldet und ihr müsst unbedingt diese Schulden abbauen. Kauft deshalb nur das, was ihr wirklich zum Leben braucht.

Eine große Hilfe, um das zu erreichen wäre, wenn Werbung für Waren generell unterbleibt und notfalls verboten wird. Ein Beispiel, wo das funktioniert, ist die Tabakwerbung. Das was wir brauchen, finden wir auch ohne Reklame. Und das was wir nicht brauchen, dürfen wir in Zukunft nicht mehr kaufen.

Es gab vor genau 2000 Jahren Einen, der jetzt gerade 19 Jahre alt war. Er hat uns mit Gott versöhnt und unsere Sünden auf sich genommen aber er hat auch noch ungefähr 13 Jahre lang ein menschliches Leben geführt.

Wir haben eine zweite Chance, eine Gesellschaft aufzubauen wie sie sich Christus vorgestellt hat. Innerhalb der nächsten 13 Jahre. Vielmehr Zeit bleibt uns nicht.
Diesmal sollten wir sie wirklich nutzen.

Gleichnisse von Christus, auf denen die Befreiungstheologie für die Erde beruht:

  • Gleichnis vom Sämann
    Nur ein Viertel des ausgesäten Korns geht auf und bringt aber so viel Frucht, dass alle davon leben können.
    Wir brauchen keine Vollbeschäftigung für alle. Durch den heutigen Automatisierungsgrad und die Verringerung des materiellen Konsums ist es ausreichend, wenn nur ein kleiner Teil der Menschen in der materiellen Produktion arbeitet. Es wird immer genug Menschen geben, die Freude daran haben, in der materiellen Produktion tätig zu sein. Das ist statistisch bewiesen.
  • Gleichnis von den Vögeln und den Blumen, die nicht arbeiten aber trotzdem versorgt werden
    Der Markt, der nur noch die materiellen Grundbedürfnisse bedient und die Zivilgesellschaft sorgen dafür, dass alle Menschen auf der Welt gut und ohne Not leben können.
  • Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
    Der Arbeiter, der eine Stunde im Weinberg tätig war bekommt genau so viel Geld wie der Arbeiter, der sechs Stunden gearbeitet hat. Denken wir an die Menschen, die ehrenamtlich in der Zivilgesellschaft tätig sind. Für die ist es nicht wichtig, adäquat mit Geld belohnt zu werden. Neid ist eine Eigenschaft, die sich sehr negativ auf unser Wohlbefinden auswirkt. Der Lohn dient in der heutigen entwickelten Industriegesellschaft ausschließlich dazu, Konsum zu ermöglichen, unabhängig davon, ob dieser Konsum unserem Wohlbefinden dient.
  • Gleichnis von der Aufforderung an Petrus, über das Wasser zu gehen.
    Christus forderte dazu auf, aktiv etwas zu bewirken. Nicht Gott hat Petrus gehalten, er hat aktiv, durch seinen starken Willen und Glauben erreicht, über das Wasser zu gehen. So fordert Christus auch uns auf, aktiv etwas zu bewirken und zu glauben, dass wir das Ziel erreichen werden.
  • Das leichte Joch
    Christus sagt, mein Joch ist leicht. Wie kann das sein? Ich stelle mir das mit dem leichten Joch so vor: Es erscheint vielen als unmöglich, ihren Reichtum aufzugeben und bescheiden zu leben. Man gibt die Freiheit nicht so ohne weiteres auf, kaufen und machen zu können, was man will. Diese vermeintliche Freiheit ist so wichtig für uns, vor allem in unserer westlichen Gesellschaft. Deshalb ist die Entscheidung, unsere „Freiheit“ aufzugeben, sehr schwer und eigentlich unmöglich. Es ist, als müsste man ein schweres Joch auf sich nehmen, was man überhaupt nicht will. Aber die Menschen, die es geschafft haben, sich vom Zwang des Geldes zu lösen, stellen fest, dass sich so viele gute Wege öffnen, sein Leben zu gestalten, auch wenn man über nur wenig Geld verfügt. Sie haben jetzt so viel echte Freiheit, dass sie nicht verstehen können, dass die Freiheit des Geldes wichtig für sie war. Alles ist plötzlich ganz leicht. Ein leichtes Joch. Das bekannteste Beispiel hierfür ist vielleicht das Leben von Franz von Assisi.