Care-Wirtschaft 2.0

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Die Wachstumsspirale

Jedes Jahr, ein paar Wochen vor Weihachten, beginnt die fünfte Jahreszeit: Die „Christmas Shopping Season“. Das Fest der Geschenke wird genutzt, um kurz vor dem Jahresende den Umsatz noch einmal richtig anzukurbeln.

Geschenke müssen sein und so fällt es nicht schwer, Gegenstände, die eigentlich noch eine ganze Weile halten könnten, auszusortieren und Platz für etwas Neues zu schaffen. Wir gönnen uns ja sonst nichts.

Was motiviert eigentlich die Wirtschaft dazu, im September damit zu beginnen, die Werbetrommel zu rühren? Natürlich geht es in erster Linie darum, die Gewinne zu sichern.

Aber es gibt noch einen anderen Grund. Wenn nicht genug verkauft wird, dann steht nicht genug Geld für Löhne und Sozialabgaben zur Verfügung. Im schlimmsten Falle müssen dann Arbeitsplätze wegrationalisiert werden und das ruft die Gewerkschaften auf den Plan.

Wir wissen alle, wie schön es ist, etwas Neues zu kaufen. Gerne verdrängen wir, dass unser Konsum auch Rohstoffe und Energie verbraucht. Die stets höhere Durchschnittstemperatur der Meere und der Erdatmosphäre wegen der immer noch zunehmenden Treibhausgasemissionen nehmen wir zähneknirschend hin.

Lasst uns dieser Wachstumsspirale einmal auf den Grund gehen. In den öffentlich-rechtlichen Medien können wir lesen, dass es gut ist, wenn zu Weihnachten noch einmal richtig viel konsumiert wird, weil dadurch Löhne und Sozialleistungen im nächsten Jahr sicher sind. Wir sind also zum überbordenden Konsum gezwungen.

Wenn ich mich einmal in meinem Bekanntenkreis umschaue, stelle ich jedoch fest, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich für etwas Gebrauchtes entscheiden. Auch die Bereitschaft, Autos zu kaufen lässt offenbar nach, denn die Autoindustrie leidet unter Absatzschwierigkeiten.

Die Regierungen haben allerdings sicheren Wohlstand versprochen. Weniger Konsum, geringere Löhne und weniger Sozialleistungen stellen eine akute Gefahr für den Wohlstand dar und dies gefährdet die Stabilität der Gesellschaft.

Deshalb muss die Rüstungsindustrie einspringen, denn das was sie produziert, ist nicht für den unmittelbaren Konsum. Sobald ein Feindbild vorhanden ist, ist es relativ einfach, hohe Kredite zu bewilligen, um viele Rüstungsgüter produzieren zu können.

Soweit ist das ja alles in Ordnung, wenn die Bestimmung der Rüstungsgüter nicht der Krieg wäre. Was passiert, wenn die Rüstungsarsenale überquellen? In Verbindung mit unberechenbaren Präsidenten ergibt sich ein gefährliches Potential.

Abschaffung der Löhne

Wir denken, Lohn wäre unverzichtbar. Wovon sollten wir uns etwas zu Essen kaufen, wenn es keinen Lohn gäbe? Wie sollten wir verhindern, dass uns unser Vermieter an die frische Luft setzt? Lohn ist lebensnotwendig.

Aber Lohn hat auch eine Kehrseite. Viele Menschen sind sehr wütend auf die „Superreichen“. Die Schere zwischen arm und reich vergrößert sich immer weiter und spaltet unsere Gesellschaft. Wo kommt der Reichtum her?

Marx hat es gut erklärt. Wir arbeiten und bekommen Lohn dafür. Aber wir bekommen nur einen Teil unserer Arbeitsleistung bezahlt. Den anderen Teil behält der Unternehmer als Gewinn. Dadurch, dass wir unsere Arbeitsleistung gegen Lohn verkaufen, schaffen wir also die Voraussetzungen, dass sich die Unternehmer den Gewinn aneignen können und dafür, dass überhaupt Superreichtum entsteht.

Es gibt noch eine weitere Schwachstelle des Lohnes. Eigentlich wären wir durch den hohen Stand an Wissenschaft und Technik in der Lage, viele Arbeiten in der Wirtschaft zu automatisieren, um mehr Freizeit für unsere Familien zu haben. Aber wir handeln vollkommen unlogisch und verhindern die Automatisierung, weil dann nicht genug Löhne und Sozialleistungen zur Verfügung stehen würden.

Wenn Lohn solche gravierenden Nachteile hat, sollten wir dann nicht einmal über den Lohn an sich nachdenken?

Welche Voraussetzungen müssten denn geschaffen werden, um auf den Lohn verzichten zu können?

  • Alle Waren müssten kostenlos sein.
  • Wir müssten mietfrei wohnen können.

Warum müssen wir für Waren etwas bezahlen? Eigentlich ist doch das Wasser genauso kostenlos wie die Luft. Auch das Eisenerz und das Erdöl schenkt uns die Erde, es sind Gaben der Schöpfung, für die wir der Erde nichts bezahlen müssen.

Leider gehören die Grundstücke, auf denen sich die Rohstoffe befinden, jemandem. Unser erster Gedanke ist, diese Eigentümer gewaltsam zu enteignen. Damit ist aber das Eigentum nicht beseitigt, sondern es gehört einfach nur Anderen. Und Gewalt ist vielleicht auch nicht die beste Idee.

Aber gibt es denn eine andere Möglichkeit?

Das Motiv für unsere Überlegung war ja, Voraussetzungen zu schaffen, damit die Produkte nichts kosten, um auf die Löhne verzichten können. Damit würde sich die Lösung von ganz alleine einstellen, denn wenn alles kostenlos wäre, würden die Eigentümer der Rohstofflagerstätten überhaupt keine Einnahmen benötigen – weil ja alles kostenlos ist. Sie könnten mit ihren Einnahmen nichts anfangen und damit wären die Rohstoffe frei verfügbar.

Somit ist die erste Bedingung erfüllt: Alle Rohstoffe sind kostenlos. Was nun noch bleibt, sind die Kosten für die Arbeit, also die Lohnkosten.

Aber was passiert, wenn wir auf unsere Löhne verzichten? Dann entstehen auch überhaupt keine Lohnkosten und somit wären auch alle Produkte frei verfügbar.

Was ist nun mit den Mieten? Es passiert das Gleiche wie bei den Eigentümern der Rohstofflagerstätten. Auch die Wohnungseigentümer könnten nichts mit den Einnahmen anfangen und deshalb werden auch die Mieten obsolet.

Wenn es keine Löhne mehr gäbe, dann müsste es auch kein Wirtschaftswachstum mehr geben. Das bedeutet nicht, dass alles stehenbleibt. Selbstverständlich würden sich Wissenschaft und Technik weiterentwickeln aber die Triebkraft wäre nicht mehr der Konsum sondern die Triebkraft wäre, den Menschen das Leben zu vereinfachen und die Natur bestmöglich zu schützen. Es würden dann nicht immer mehr Produkte sondern immer bessere Produkte hergestellt.

Löhne waren so lange erforderlich, solange es einen Markt geben musste, auf dem alles Lebensnotwendige gekauft wurde. Mit der weltweiten Vernetzung und just-in-time-production ist der Markt überflüssig. Wir melden unseren Bedarf direkt an den Produzenten und bekommen das, was wir benötigen.

Wahrscheinlich würde die Produktion sofort signifikant zurückgehen denn niemand würde aufgefordert werden, sich mehr zu nehmen als benötigt. Dadurch würden viel weniger Rohstoffe benötigt, sodass die Allokationsfunktion des Marktes auch entfällt. Dadurch wären auch die Klimaziele greifbar nahe.

Wenn Arbeit nichts mehr kostet, spielt es auch keine Rolle, wie lange etwas dauert. Produkte können so entwickelt werden, dass sie nach ihrer Lebensdauer leicht wiederverwertet werden können. Dadurch entsteht eine echte Kreislaufwirtschaft.

Und was geschieht mit den Menschen in Banken, Versicherungen oder Finanzämtern?

Sie haben frei! Auch sie sind Teil des großen Fests des Schenkens und Beschenktwerdens und sie werden sich revanchieren wollen, indem sie dort helfen, wo noch viel Arbeit gebraucht wird.

Finanzämter? Die brauchen wir nicht mehr, denn alle – Lehrerinnen, Feuerwehrleute, Universitätsangestellte, Künstlerinnen und Kulturschaffende – sind kostenlos versorgt. Niemand wird ausgeschlossen.

Niemand wäre dann mehr von lebenswichtigen Dingen abgeschnitten, es gäbe kein arm und reich mehr und die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wäre beseitigt, weil es keinen Unterschied mehr zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit gibt.

Das kann ganz friedlich und schnell passieren. Wir müssten nur diese Botschaft auf der ganzen Welt verbreiten, so schnell es nur geht, damit alle Menschen darüber diskutieren können.

Und dann vereinbaren wir einfach einen Tag, von dem an alle Menschen auf der gesamten Erde den Lohn verweigern. Vielleicht schon am 1. Mai 2027?

Dieser Tag wird zu einem großen Fest, an dem wir alles, was für ein glückliches und zufriedenes Leben gebraucht wird, geschenkt bekommen. Es ist ein Fest wie Ostern, Weihnachten oder Geburtstag, nur mit dem Unterschied, dass dieser Zustand andauert.

Diese Feststimmung wird dafür sorgen, dass der Übergang klappt.

Wenn wir alles geschenkt bekommen, fühlen wir uns auch verantwortlich, ab und zu unangenehme Tätigkeiten zu übernehmen. In einer nichtkapitalistischen Gesellschaft ist die Solidarität viel stärker ausgeprägt. Viele, die nur den Kapitalismus kennen, können sich das heute kaum vorstellen. Aber der Autor hat lange in einem solchen Land gelebt und es mit eigenen Augen gesehen.

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2. Notwendigkeit der Transformation des Kapitalismus

Der Kapitalismus ist an seine inneren und äußeren Grenzen gestoßen.
Er zerstört Natur, Menschen und soziale Bindungen, weil er seine eigenen Widersprüche nicht mehr auflösen kann. Wachstum, Wettbewerb und Profit erzwingen eine permanente Expansion von Energieverbrauch und Produktion – auch dann, wenn die ökologischen und sozialen Belastungsgrenzen der Erde längst überschritten sind.
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3. Konzepte für eine gesellschaftliche Transformation

3.1. Historische Vorstellungen einer gesellschaftlichen Transformation

Das Reich Gottes

Der erste berühmte Weltverbesserer war Jesus Christus. Wenn er vom Reich Gottes sprach, meinte er keine jenseitige Erlösung, sondern die Umgestaltung der bestehenden Gesellschaftsordnung – eine radikale Alternative zur Unterdrückung durch die römische Besatzungsmacht und zu den innerjüdischen Machtkämpfen seiner Zeit.
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Übergang in die klassenlose Gesellschaft

Vor rund 150 Jahren formulierte Karl Marx in seiner Kritik des Gothaer Programms (Marx, 1875) die berühmte Perspektive einer klassenlosen Gesellschaft: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“
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3.2. Vergesellschaftung des Kapitalismus

Postwachstumskonzepte

Seit den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts hat sich eine wachsende Zahl von Ökonominnen und Sozialwissenschaftlern mit der Kritik am Wachstumsparadigma beschäftigt. Unter Bezeichnungen wie Postwachstum, Degrowth, Donut Economics oder Solidarische Ökonomie wird eine Vielzahl von Konzepten diskutiert, die das Ziel teilen, ökologische Grenzen zu respektieren und den Ressourcenverbrauch zu verringern.
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Die Commons

Die Idee der Commons – der Gemeingüter – führt die Kritik an Eigentum und Verwertung einen entscheidenden Schritt weiter. Während die Postwachstumsökonomie meist nach Wegen sucht, das bestehende System zu korrigieren, stellt die Commons-Bewegung die Eigentumslogik selbst in Frage. Sie fragt: Wem gehört die Welt – und warum überhaupt jemandem?
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Sozialismus und Grundeinkommen

Auch der Sozialismus des 20. Jahrhunderts konnte diese Dynamik nicht überwinden. Es galt prinzipiell die gleiche Produktionform wie im Kapitalismus mit dem Unterschied, dass die Kapitalisten durch den Staat ersetzt wurden. Das Prinzip blieb: höhere Löhne, mehr Produktion, steigender Konsum.
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4. Die Strategie der Verweigerung

1.1. Der unbezahlte Care-Bereich

Schon heute existiert ein großer Bereich menschlicher Tätigkeit, der nicht bezahlt wird – die Care-Arbeit. Pflege, Kindererziehung, Sorge füreinander und für die Natur bilden die eigentliche Grundlage des Lebens, und doch erscheinen sie im Kapitalismus als „unsichtbare“ Arbeit, eben, weil sie nicht entlohnt wird.
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4.2. Das Gesetz der kostenlosen Rohstoffe

Alle Rohstoffe und jede Energie, die wir benötigen, werden uns von der Erde und der Sonne kostenlos bereitgestellt. Wir müssen ihnen nichts bezahlen. Ebenso entstehen Früchte aus der natürlichen Kraft von Zellteilung und Photosynthese – ohne dass wir bis zur Ernte einen finanziellen Beitrag leisten müssten. Auch das Wasser, die Mineralien und die chemischen Elemente, aus denen Dünger für die Feldfrüchte besteht, sind Geschenke der Erde.
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4.3. Das Gesetz der freiwilligen Arbeit

Die halbe Welt, in der es keine Löhne gibt

Schon heute existiert ein großer Bereich menschlicher Tätigkeit, der nicht bezahlt wird – die Care-Arbeit. Pflege, Kindererziehung, Sorge füreinander und für die Natur bilden die eigentliche Grundlage des Lebens, und doch erscheinen sie im Kapitalismus als „unsichtbare“ Arbeit, eben, weil sie nicht entlohnt wird.
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Die Produktion ohne Überproduktion.

Wenn wir das Frühstück für unsere Kinder zubereiten, geben wir ihnen genau so viel, wie sie brauchen. Niemand würde doppelt so viel Brot einpacken, nur um die „Produktion“ zu steigern. Wenn Bad und Küche sauber sind, putzen wir sie nicht noch einmal, um Beschäftigung zu erzeugen.
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Anteil der Care-Arbeit gegenüber der Produktion

Menschen leisten weltweit etwa genauso viel oder mehr unbezahlte Care-Arbeit wie bezahlte Erwerbsarbeit. Würde man Care-Arbeit entlohnen, entspräche ihr Wert etwa 40–60 % des Bruttoinlandsprodukts (siehe Anhang).
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Die Erziehung unserer Kinder

Wenn die Menschheit eine übergeordnete Mission hat, dann sind die langfristige Erhaltung und Entwicklung der menschlichen Zivilisation und der Schutz der Erde ihre vorrangigen Aufgaben. Und in diesem Fall ist die liebevolle, weitsichtige und ganzheitliche Erziehung der nächsten Generationen zweifellos der wichtigste und wirkungsvollste Bestandteil dieser Mission.
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4.4. Die Dialektik einer Revolution

Eine Revolution ist kein langsamer Wandel, sondern der Umschlag in eine neue Qualität gesellschaftlicher Wirklichkeit. In ihr verdichtet sich, was zuvor über lange Zeit gereift ist: Widersprüche, Erfahrungen, technische Entwicklungen, Bewusstseinsprozesse. Wenn diese nicht mehr innerhalb der alten Ordnung lösbar sind, bricht die Form selbst – und das Neue tritt hervor.
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4.5. David gegen Goliath

Die Transformation des Kapitalismus kann nicht in direkter Konfrontation erfolgen. Das global herrschende kapitalistische System hat sich in seiner fortgeschrittenen Phase immer mehr vervollkommnet und verselbständigt. Seine Macht zeigt sich darin, dass es jährlich um mehr als den Betrag des gesamten Bruttoinlandsproduktes der BRD wächst. Wir wissen, dass jede Kraft eine Gegenkraft erfordert und eine solch große Gegenkraft können wir nicht aufbringen.
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4.5. Die Grenzen unserer Vorstellungskraft

Es lässt sich häufig beobachten, dass Prognosen über eine postkapitalistische Gesellschaft von falschen Voraussetzungen ausgehen. Der Grund dafür liegt darin, dass es uns äußerst schwerfällt, uns wirklich in eine solche Gesellschaft hineinzuversetzen. Wir versuchen meist, sie mit Begriffen und Denkmustern der uns bekannten Welt zu verstehen – einer Welt, in der Arbeit, Besitz und Geld die zentrale Rolle spielen. Doch diese Kategorien verlieren in einer geldfreien, freiwilligen und solidarischen Gesellschaft vollkommen ihren Sinn.
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5. Die Befreiung – Ein Fest des Gebens

5.1. Das große Fest der Erleichterung und des Schenkens

Heute ist es soweit. Es ist der 1. Mai 2027, der Tag der freiwilligen Arbeit. Alle Menschen auf der Welt haben verstanden, dass wir lediglich die beiden vergessenen Naturgesetze wieder einsetzen müssen, um die Welt wieder geradezurichten.
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5.2. Das gemeinsame Glück – Vom Brot der Kaiser zum Geschenk der Gemeinschaft

Seit den frühen Hochkulturen gilt das Fest als Moment, in dem Gesellschaft sich selbst feiert – und zugleich vergisst, dass sie geteilt ist. Wenn Brot, Wein und Musik frei verteilt werden, entsteht eine Atmosphäre, die über das Alltägliche hinausweist: Menschen spüren, dass Glück nicht im Besitz, sondern im Gleichklang der Freude liegt.
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5.3. Der entscheidende Schritt:
der Übergang

 Kein Umsturz, sondern ein symbolischer Akt

Der Übergang zur freiwilligen Arbeit ist kein gewaltiges Ereignis. Er geschieht leise – als symbolischer Akt. Wir müssen so geschickt und klug sein wie David, als er Goliath besiegte.
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6. Transformation der Wirtschaft

6.1.  Die Auflösung des Gleichungssystems – Vom Wert zur Bedürfnislogik

Der Kapitalismus kann als ein in sich geschlossenes Gleichungssystem verstanden werden. Seine Variablen – Arbeit, Rohstoff, Eigentum, Lohn, Profit – stehen in wechselseitiger Abhängigkeit. Jede von ihnen erhält ihren Sinn nur durch die anderen. Arbeit ist Lohnarbeit, weil Eigentum an Produktionsmitteln existiert; Eigentum ist einkommensrelevant, weil Arbeit Wert produziert; und Wert entsteht, weil Rohstoffe und Arbeitskraft in Warenform auf den Markt treten.
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6.3. Digitale Infrastruktur ersetzt den Markt

Die Rolle der digitalen Vermittlung

In einer auf freiwilliger Arbeit basierenden Wirtschaft jedoch fällt das Profitmotiv weg, und mit ihm die Notwendigkeit, Konsum künstlich anzuregen. Die Produktion richtet sich dann nicht mehr nach dem Markt, sondern nach realem gesellschaftlichem Bedarf.
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6.4. Fortschritt durch Wunsch auf Verbesserung statt Vermarktung

Das oft gehörte Argument, nur Konkurrenz und Wettbewerb könnten Innovation und Fortschritt hervorbringen, beruht auf einer Verwechslung zwischen Marktmechanismen und menschlicher Kreativität. Es trifft zu, dass Konkurrenz innerhalb eines Marktes die Unternehmen dazu zwingt, Produkte zu verbessern, um Marktanteile zu sichern. Doch diese Dynamik ist an das Profitmotiv gebunden – nicht an die eigentliche Fähigkeit der Menschen, Neues zu schaffen.
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6.5. Übergangsweise Duldung von Benachteiligung

Direkte Folgen des Übergangs

Unmittelbar nach dem weltweiten Übergang zu freiwilliger Arbeit kann es zu vorübergehenden Ungerechtigkeiten kommen, wenn viele Menschen aus dem Finanz- und Versicherungsbereich erst einmal zu Hause bleiben, die Produktion aber unverändert weitergehen muss.
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6.6. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft

Regelmäßige Produktion

Am Tag der weltweiten Umstellung auf freiwillige Arbeit bleibt die materielle Infrastruktur unverändert erhalten. Produktionsanlagen, Transportmittel, Energieversorgung, digitale Netzwerke und Kommunikationssysteme arbeiten weiter, es gelten langfristig erprobte Lieferverträge. Auch die Menschen gehen ihren gewohnten Tätigkeiten nach.
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Infrastrukturprojekte

Besondere Projekte sind hauptsächlich regional geprägt. Sie werden von den Kommunen basisdemokratisch beschlossen.
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7. Gesellschaftliche Veränderungen

7.1. Die gesellschaftliche Kraft

Die gesellschaftliche Kraft ist nicht mehr, zu arbeiten, um Lohn zu bekommen, weil man sonst verhungert.

Die gesellschaftliche Kraft ist, mitzuhelfen, damit alle Menschen genügend Essen bekommen.

7.2. Steuern und Sozialsysteme werden überflüssig

In einer Gesellschaft, in der jeder Mensch uneingeschränkten Zugang zu allem Lebensnotwendigen hat, entfällt die Notwendigkeit für die traditionellen kapitalistischen Sozialsysteme, die auf der Organisation und Verwaltung von Armut und Ungleichheit beruhen. Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherungen verlieren ihren Zweck, weil die Frage des Existenzminimums und der sozialen Absicherung nicht mehr über Löhne und Einkünfte geregelt wird.
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7.3. Das Finanzsystem löst sich auf

An dem Tage, an dem wir auf die Löhne verzichten, löst sich das Finanzsystem auf. Es hat keinen Zugriff mehr auf die Wirtschaft, weil es dort keinen Tauschwert mehr gibt. Da alle Produkte und Dienstleistungen kostenlos sind, kann niemand mehr etwas mit Bankguthaben anfangen. Die bisherigen Wertmaßstäbe gibt es nicht mehr.
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7.4. Eigentum

Die Rolle des Eigentums

Fast in der gesamten Menschheitsgeschichte war Besitz im heutigen Sinn kaum bekannt. Werkzeuge oder Waffen gehörten der Person, die sie benutzte, doch Boden, Wasser, Wälder und Tiere galten als Gut, das niemandem gehörte.
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Schutz der Privatsphäre

Auch in einer Gesellschaft ohne Eigentum bleibt der Schutz der Privatsphäre ein zentrales Anliegen. Der Wegfall des Besitzes bedeutet keineswegs die Aufhebung persönlicher Räume oder individueller Rückzugsorte.
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7.5. Befreiung der Arbeit

Wenn Arbeit nicht mehr dem finanziellen Zwang unterliegt, sondern freiwillig geleistet wird, verändert sich ihr gesamter Charakter. Sie wird Ausdruck von Kreativität, Selbstverwirklichung und gesellschaftlichem Beitrag. Die Motivation entspringt nicht mehr dem Überlebensdruck, sondern der Freude an der Tätigkeit selbst.
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7.6. Die Rolle der Unternehmer:Innen bei der Umstellung

Viele Menschen fragen sich, ob Unternehmer ihre Produkte überhaupt freiwillig herausgeben würden, wenn niemand mehr Lohn oder Profit verlangt. Die Antwort hängt davon ab, ob wir wirklich weltweit gleichzeitig umstellen – und genau das ist der entscheidende Punkt.
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7.7. Was wird aus dem Staat?

Wozu brauchen wir heute Staat und Macht? Wir brauchen den Staat, um das Eigentum zu schützen und die Macht, um Interessen durchzusetzen. Meist handelt es sich dabei um finanzielle Interessen, um Bereiche der Wirtschaft zu stärken. In der „Benharmonia“ gibt es keinen Streit um Geld mehr, weil das Geld überflüssig geworden ist.
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7.8. Luxusartikel und „Drecksarbeit“

(Identisch mit Kap. 4.5.: Grenzen unserer Vorstellungskraft)
Es lässt sich häufig beobachten, dass Prognosen über eine postkapitalistische Gesellschaft von falschen Voraussetzungen ausgehen. Der Grund dafür liegt darin, dass es uns äußerst schwerfällt, uns wirklich in eine solche Gesellschaft hineinzuversetzen.
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8. Globale Auswirkungen

Mit der weltweiten Einführung freiwilliger, nicht entlohnter Arbeit im Rahmen von Benharmonia endet die historische Epoche der globalen Abhängigkeiten. Die bisherige Trennung in „reiche“ und „arme“ Weltregionen verliert ihren Sinn. An ihre Stelle tritt ein Prozess gegenseitiger Befruchtung, in dem der Globale Süden nicht mehr nachzuholende Entwicklungsstufe, sondern tragendes Element einer neuen Zivilisation wird.
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Der Autor

Eberhard Licht wurde1955 im südthüringischen Theaterstädtchen Meiningen geboren. Read More

Literaturverzeichnis

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Berlin, den 05. November 2025

Eberhard Licht

Für das Literaturverzeichnis bitte das pdf-Buch downloaden.

Hier wird die generelle Funktionsweise der Benharmonia in einem Dialog zwischen Helena und Maya erklärt

Die Notwendigkeit der Überwindung des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Und aus theologischer Sicht

Hier gibt es noch ein kleines Erklär-Video (5 Minuten)

Bitte habt Verständnis dafür, dass nur Kommentare mit konstruktivem Inhalt veröffentlicht werden.

Berlin, den 10.11.025

Eberhard Licht

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5 Gedanken zu „Care-Wirtschaft 2.0“

  1. Also, ich könnte mir diese Welt gut vorstellen. Ich nähe sehr gerne, aber in meiner Familie braucht niemand etwas. Wenn wirklich alle mit dem demokratisch kontrollierten Internet verbunden wären, und jemand eine Hose braucht, könnte er doch eine Anforderung schicken und eine vertrauenswürdige KI würde diese Anforderung zu mir weiterleiten, weil sie weiß, dass ich gerne nähe. Ich würde ihm dann eine Hose nähen und wäre froh, etwas nützliches gemacht zu haben, worüber sich jemand freut. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich dann immer mal ein Foto bekomme, wo er mit der neuen Hose war.
    Also ich wünsche ihnen viel Erfolg mit diesem Plan!
    Herzliche Grüße, Hanna

  2. Was bei der Hose funktioniert, muss noch lange nicht beim Smartphone klappen. Einen Smartphone herzustellen erfordert:
    – Seltene Erden aus China
    – Chip-Fertigung in Taiwan
    – Display-Produktion in Südkorea
    – Software-Entwicklung global verteilt
    – Logistik über Kontinente
    – Tausende spezialisierte Zulieferer

    Das Ganze ohne Geld zu koordinieren ist ein Alptraum!
    Aber ich wünsche ebenso viel Erfolg mit diesem Plan!

    1. Das Besondere an diesem Plan ist ja gerade, dass es nicht wie beim Sozialismus frustrierende Enteignungen geben muss, die zum Chaos führen könnten, denn das Eigentum wird von alleine überflüssig. Aber dazu muss man alles lesen. In Punkt 5 ist genau beschrieben, dass es beim Übergang überhaupt keine Veränderungen gibt. Seltene Erden und Chips werden weiterhin geliefert. Warum auch nicht, wenn es keine Preiskämpfe mehr gibt? Werden die seltenen Erden natürlich unter unmenschlichen oder umweltschädlichen Bedingungen gewonnen, dann dauert es vielleicht ein halbes Jahr länger, bis ein neues Handy verfügbar ist, bis diese Bedingungen verbessert sind.
      Wichtig ist auch Punkt 4.6. Die Grenzen unserer Vorstellungskraft.
      Gerade das Geld ist der Alptraum, das Preisdumping und Ausbeutung des globalen Südens ermöglicht.

  3. Naja es gibt viele Idee für eine Gesellschaft ohne Geld. Leider scheitern die oft an der Umsetzung, da Geld auch Vorteile hat. Ich selber war ein Freund des Venus Projektes, aber eine konkrete Umsetzung sehen ich leider nicht. Ich finde man muss die Menschen erst von dem Geld entwöhnen und dann kann man über die Abschaffung von Geld nachdenken. Die Löhne wie in dem Text als Problem dargestellt, sind jedoch kein Problem. Und der Verzicht auf Löhne wird meiner Ansicht nach leider nicht zum Ziel frühen. Hier wird leider eine rein utopische Idee präsentiert, die so nicht umsetzbar ist.

    1. Ein „Entwöhnen“ funktioniert nicht, weil es sich nicht gegen das jährliche Wirtschaftswachstum von mehreren Billionen durchsetzen kann. Genau deshalb haben das Venus Projekt und alle anderen Postwachstumsideen keinen Erfolg.
      Warum die Löhne?
      Was macht Bosch, wenn die Belegschaft eine Lohnerhöhung durchgesetzt hat? Es müssen mehr Waschmaschinen verkauft werden, weil das Geld für die höheren Löhne nicht vom Himmel fällt. Sie werden dann so konstruiert, dass sie sich nicht mehr reparieren lassen. So einfach funktioniert die zerstörerische Wachstumsspirale. Und nebenbei steigen natürlich auch die Profite.
      Die Abschaffung der Löhne wäre eine friedliche Revolution, die jederzeit erfolgen könnte. Die Wirtschaft würde vorerst unverändert weitergehen, nur dass keine Kosten mehr entstehen und alles gratis ist. Was soll daran Utopie sein? Genau so funktioniert die gesamte Reproduktion, ohne die es keine Wirtschaft gäbe!
      Damit wären die Voraussetzungen für das Venus-Projekt geschaffen. Auch das Problem der Wuchermieten wäre gelöst, weil die Eigentümer nichts mehr mit den Mieteinnahmen kaufen könnten. So löst sich mit dem Finanzsystem auch das Eigentum an Produktionsmitteln und Immobilien auf. Enteignungen wären nicht erforderlich.
      Am besten, du liest mal den Text durch, da ist wirklich alles genau beschrieben.

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