Die beiden Narrative, die uns blenden

Narrativ vom gottgegebene Recht auf Eigentum

Der Ölboom in den USA (v. a. Pennsylvania ab 1859, später Texas, Oklahoma, Kalifornien) war ein klassisches Beispiel für die Privatisierung eines Naturreichtums, bei dem sich individuelle Aneignung von Boden in leistungslose Einkommensquellen verwandelte. Motivation war nicht der Stolz auf das Eigentum sondern die Erwartung von Grundrente ohne persönliche Leistung.

Wenn alles kostenlos wäre, was wir für ein glückliches und zufriedenes Leben benötigen, dann bräuchten wir keine solche Einkommensquelle. Ja, wir könnten nicht einmal etwas mit dem erzielten Einkommen anfangen, da es nichts dafür zu kaufen gäbe.

Aus diesem Grunde wäre das Eigentum, welches als Einnahmequelle dient, überflüssig. Es bestände auch kein Grund, andere von diesem Eigentum auszuschließen.

Wenn also alle Waren kostenlos zur Verfügung ständen, dann wäre es der Wirtschaft möglich, direkt auf die kostenlos von der Erde bereitgestellten Rohstoffe zurückzugreifen.

Alle hergestellten Waren, Zwischenprodukte und Hilfsmittel wie Energie oder Wasser enthalten die beiden Kostenbestandteile Materialkosten und Arbeitslohn.

Wenn es also keine Materialkosten gäbe und die Arbeit unentlohnt erfolgt, dann wären alle Produkte kostenlos und könnten gratis abgegeben werden.

Narrativ vom Ernährer und Wohltäter der Familie

Viele Menschen können nicht erkennen, dass die Reproduktionsarbeit in den Familien wirklich unentlohnt ist. Sie gehen davon aus, dass ja die berufstätige Person das Geld mit nach Hause bringt und dadurch den Erhalt der Familie sichert. Wir brauchen aber nur das, was zu Hause passiert, einmal in die einzelnen Bestandteile zu zerlegen, um zu verstehen, was wirklich passiert.

Zunächst müssen wir feststellen, dass die Person im Haushalt genauso arbeitet wie die Person, die den Lohn nach Hause bringt. Viele Berufstätige würden nicht gerne die Rollen tauschen. Es arbeiten also beide Partner, einer bekommt Lohn und der andere nicht.

Mit dem Lohn wird alles Nötige bezahlt, was in der Wirtschaft produziert wurde und was in der Familie benötigt wird. Essen, Kleidung, Miete, Transport. Wenn diese Waren und Leistungen auf dem Markt (oder im Internet) angeboten werden, haben sie einen Tauschwert. Oft hat der Tauschwert nichts mit dem wirklichen Wert, dem Gebrauchswert zu tun. Eine Hose, die in Asien unter unmenschlichen Bedingungen produziert wird kostet 8 Euro, dagegen kosten Medikamente oder Software teilweise mehr als das Tausendfache der Herstellungskosten.

Aber sobald die Hose oder das Medikament gekauft sind, dann gibt es nur noch den Gebrauchswert denn der Preis wurde entrichtet, der Produktions- und Handelskreislauf ist geschlossen. Innerhalb der Familie sind diese Dinge dann kostenlos.

Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn das Gemüse für die Suppe und die Arbeit bei der Zubereitung etwas kosten würden, dann müssten wir die Suppe an unsere Familienmitglieder verkaufen. Da aber in allen Familien auf der ganzen Welt das tägliche Essen kostenlos auf den Tisch kommt, müssen die Zutaten kostenlos und die Arbeit unentlohnt sein. Anders ist es nicht möglich.

Wer in der Lage ist, die Vorgänge im Haushalt soweit zu abstrahieren, der wird erkennen, dass die in der Wirtschaft produzierten Güter ebenfalls kostenlos wären, wenn die unentgeltlichen Gaben der Schöpfung durch unentlohnte Arbeit hergestellt werden würden. Dann wären deshalb auch gar keine Löhne erforderlich.

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