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Wir, die Diener der Wirtschaft

Ist die Wirtschaft dazu da, um uns unsere Wünsche zu erfüllen oder sind wir dazu da, um mit unserem Konsum der Wirtschaft zu Wachstum zu verhelfen? Bestimmt das Volk, wohin es mit der Wirtschaft geht, oder sagt die Wirtschaft dem Volk, was es zu tun hat? Diese Fragen sind gar nicht so leicht zu beantworten. Wir gehen natürlich erst einmal davon aus, dass die Wirtschaft für das Volk da ist. Schließlich sind wir es ja, die bezahlen. Wenn wir etwas brauchen, dann gehen wir in das Geschäft und kaufen es.

Aber wozu gibt es dann Werbung, wozu Rabattaktionen? Warum fordert uns die Wirtschaft zu mehr Konsum auf, wenn sie nur dazu da wäre, uns zu dienen? Die Wirtschaft hat sich ja schon fest in den Alltag des Volkes eingenistet. An die viele Werbung im Internet, im Fernsehen und im Briefkasten haben wir uns schon so gewöhnt, also nehmen wir sie nicht mehr bewusst wahr. Ich stelle immer wieder mit Erschrecken fest, dass die Werbung auf sogenannten Bildungsseiten für Schülerinnen und Schüler am aggressivsten ist. Suchmaschinen kennen unsere Vorlieben viel besser als wir selbst, um uns die passende Werbung zu präsentieren. Aber wir akzeptieren das stillschweigend, denn wir wissen, dass sich diese Internetdienste über Werbung finanzieren und wir sind ja froh, dass wir für Google nichts bezahlen müssen.

Wir denken, dass die Wirtschaft für uns da ist. Aber sind nicht WIR heute die Sklaven der Wirtschaft? Wir konsumieren, damit die Wirtschaft wächst. Wir kaufen nicht, was wir wirklich brauchen, um glücklich zu sein, sondern wir kaufen das, was uns die Wirtschaft mit Werbung, Rabattangeboten und künstlicher Verkürzung der Haltbarkeit der Produkte vorschreibt.

Die Wirtschaft baut uns schöne Shopping-Center, in denen wir die Feierabende, die Wochenenden und die Ferien verbringen können und die es uns ermöglichen, nach dem billigsten Kleidungsstück zu suchen und sehnsüchtig die bunte Vielfalt zu bewundern.

Es gibt Einrichtungen innerhalb der Wirtschaft, deren Aufgabe es ist, sich neue Bedürfnisse auszudenken. Man geht erst einmal davon aus, dass dies dazu dient, uns das Leben angenehm zu machen. Wir sind in den letzten fünfzig Jahren aber nicht signifikant glücklicher geworden. Trotzdem werden ständig neue Bedürfnisse geweckt. Sollen uns diese Bedürfnisse glücklich machen oder dienen sie nur dazu, das Wachstum der Wirtschaft zu generieren?

Nehmen wir einmal das Beispiel der SUV, der „Sport Utility Vehicle“. Diese Fahrzeuge erfreuen vielleicht den Käufer, aber sie fallen zur Last. Sie erzeugen viel zu viel klimaschädliches Kohlendioxid und behindern andere Fahrzeuge beim Parken.  Nach der ersten Ölkrise wurden die Autos wieder etwas kürzer. Da dachten sich die Autohersteller, warum bauen wir nicht in die Höhe? Und so war ein neues Bedürfnis kreiert für Menschen, die unbedingt zeigen müssen, dass sie über mehr Geld verfügen als die Allgemeinheit.

Ein ähnliches Beispiel ist die Mobilität allgemein. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wohnten die Menschen noch in der Nähe der Arbeitsstelle. Dann begannen Auto-, Mineralöl- und Bauindustrie die Mobilität als etwas Modernes zu deklarieren. Heute können wir uns das Leben nicht mehr ohne Mobilität vorstellen. Aber ist Mobilität wirklich unser sehnlichster Wunsch? Genießen wir es, täglich morgens im Stau zu stehen? Aber wir nehmen das schon nicht mehr wahr. Wir sind sicher, dass dies zum Leben gehört und wenn wir für zweihundert Euro mehr Gehalt jeden Tag zwei Stunden weniger für unsere Familie übrighaben, dann ist das eben so.

So ist der Konsum ein Teil unseres Selbstverständnisses geworden und warum sollen wir etwas anderes wählen als den Konsum und den in unseren Augen damit zusammenhängenden Wohlstand?

Seit einigen Jahren fragt uns die Wirtschaft schon gar nicht mehr, um noch mehr zu konsumieren, sondern sie ergreift einfach selbst die die Initiative. Es wird kein Wert mehr auf Langlebigkeit und Reparatur-freundlichkeit gelegt. Man spricht von geplanter Obsoleszenz. Je schneller die Dinge kaputt gehen, umso mehr wird gekauft.

Würde ein vernunftbegabtes menschliches Wesen wirklich auf eine solch perverse Idee kommen oder steckt da vielleicht etwas anderes dahinter?

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