Ein Zukunftsprogramm
These 1: Es gibt ein „Jahr 2000“-Paradox
Viele Menschen träumten noch vor einigen Jahrzehnten davon, dass im „Jahr 2000“ Automatisierung und technischer Fortschritt den Menschen von körperlicher Arbeit befreit haben würden. Vordenker wie John Maynard Keynes und Karl Marx gingen davon aus, dass sich der gesellschaftliche Reichtum über alle Menschen fair verteilt.
Die Voraussetzungen dafür sind längst vorhanden. Unsere Technologien sind hochentwickelt, unser Wissen enorm – und wir leben im materiellen Überfluss.
In der Geschichte der Menschheit gab es stets Erfindungen wie das Rad, den Pflug, das Segel, die die Arbeit vereinfachten. Diese Erfindungen wurden gerne angenommen.
Bei der Erfindung der Dampfmaschine war es anders. Anstatt weniger zu arbeiten, begannen die Menschen damit, die Produkte der Arbeit zu horten und gingen allmählich sogar dazu über, sie immer früher wegzuwerfen.
Drucker, Smartphones und vieles mehr könnten viel länger benutzt werden, lange haltbare Lebensmittel bekommen ein Verbrauchsdatum und werden lange vor der eigentlichen Haltbarkeit entsorgt.
Das Ergebnis ist beispielsweise der „Country Overshoot Day„, der Tag, an dem ein Land alle Vorräte bereits verbraucht hat, die eigentlich für das ganze Jahr ausreichen müssten.
Wenn wir Produkte einfach so lange nutzen würden, wie sie halten,
müsste nur etwa halb so viel produziert werden. Eine 20-Stunden-Woche wäre dann durchaus möglich.
Doch statt weniger zu arbeiten, streben wir nach Vollarbeit.
Die Folgen sind sichtbar: Überlastete Ökosysteme, wachsende Ungleichheit, anhaltender Neokolonialismus – und eine Welt, in der die Gefahr von Konflikten täglich wächst.
Warum ist es anders gekommen als erhofft? Welche Kraft hält uns in einem System gefangen, das niemand bewusst gewählt hat?
These 2: Die Bedrohung der Menschheit ist das Finanzsystem
Die größten globalen Probleme – steigende Ungleichheit, Umweltzerstörung, Neokolonialismus und Kriege – sind kein Zufall.
Der wahre Grund ist das nicht endende Wirtschaftwachstum. Seit mehreren Jahrzehnten warnen namhafte Wissenschaftler vor den irreversiblen Auswirkungen, denn die Ressourcen der Erde und die Aufnahmekapazität für Abfallprodukte sind begrenzt.
Aber nicht die Wirtschaft an sich ist die Ursache, sondern die Herrschaft eines Finanzsystems, das die Profite aus der Wirtschaft extrahiert. Diese Symbiose von Finanzsystem und Wirtschaft führt dazu, dass nicht das Wohl der Menschen und der Schutz der Erde im Mittelpunkt steht, sondern der Kapitaldienst.
Weil leider auch die Sozialleistungen und die Renten davon abhängen, ist es für die Politiker einfach, die Menschen für weiteres Wirtschaftswachstum zu motivieren.
Gerade beginnt eine unvorstellbare Rüstungswelle, die zunächst für weiteres Wirtschaftswachstum sorgt. Diese Waffen werden später eingesetzt werden müssen, um mit dem Wiederaufbau der Zerstörungen mehr Wirtschaftswachstum zu erzeugen.
Wenn es gelingt, die Wirtschaft von der Herrschaft des Finanzsystems zu befreien, dann kann der destruktive Wachstumszwang beendet werden. Dann ist die Wirtschaft frei und kann sich an den wirklichen Bedürfnissen der Menschen – Glück und Zufriedenheit – orientieren.
These 3: Der Kapitalismus zerstört unsere Moral
Verurteilte Kriminelle werden demokratisch zu Präsidenten, rechte Parteien demokratisch in Regierungen gewählt. Waffenlieferungen an verbrecherische Regimes gelten als wirtschaftlich sinnvoll. Auch Umweltzerstörung und Ausbeutung erscheinen legitim, solange sie dem Wirtschaftswachstum dienen.
Wir hören zwar täglich von den Auswirkungen des fortdauernden Wachstums aber nehmen sie nicht mehr als Gefahr wahr. Dafür sorgen auch die Medien, die die wirklichen Ursachen geschickt verschleiern.
Demokratie und Ethik werden entkernt – der Mensch gewöhnt sich an das Unrecht, um im System zu überleben. Das gefährdet nicht nur die Moral, sondern auch das Leben selbst.
Es fällt uns immer schwerer, gut und böse zu unterscheiden, wir sind bereits willfährige Diener dieses außer Kontrolle geratenen Systems. Ein deutliches Zeichen dafür ist, dass die Demokratie heute für falsche Ziele missbraucht wird.
Wir dürfen deshalb keine Zeit mehr verlieren.
These 4: Es besteht die Möglichkeit des direkten Übergangs zu einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft
Viele Menschen träumen davon, dass nicht mehr das Bruttonationalprodukt – also der Wert aller verkauften Waren und Dienstleistungen – über den Erfolg eines Landes entscheidet, sondern das Bruttonationalglück, wie es angeblich im Königreich Bhutan der Fall ist.
Diesen Wandel könnten wir selbst einleiten, wir haben den Schlüssel dafür in der Hand.
Denn im Kern funktioniert unsere Wirtschaft so:
Wir arbeiten, bekommen Lohn, und von diesem Lohn kaufen wir Dinge, die andere hergestellt haben. Die Summe all dieser Käufe ergibt das Bruttonationalprodukt. Je mehr gekauft wird, desto „besser“ steht die Wirtschaft da.
Aber was wäre, wenn wir einander Arbeit und Produkte schenken würden?
Dann würde sich die Logik umdrehen: Nicht mehr Konsum und Umsatz zählen, sondern Freude, Dankbarkeit und freier Zugang für alle.
Aus dem Bruttonationalprodukt würde Bruttonationalglück.
Und das Erstaunliche ist: Die Wirtschaft müsste sich dafür gar nicht ändern.
Klingt radikal? Vielleicht…
Aber eigentlich ist es ganz einfach: Wer schenkt, macht andere glücklich. Und sich selbst auch.
These 5: Die Erde schenkt, wir müssten nur annehmen
Alle Rohstoffe auf unserer Welt sind ursprünglich kostenlos.
Die Erde verlangt keine Bezahlung für Wasser, Holz, Metalle oder Energie.
Sie gibt – bedingungslos. Doch im heutigen System werden diese Geschenke der Natur zu Privateigentum erklärt. Wer Zugriff darauf hat, verlangt Geld dafür. Durch unsere bezahlte Arbeit bekommen die Dinge ihren Preis.
Doch was wäre, wenn wir freiwillig arbeiten würden – ohne Lohn, aus Freude am Geben?
Dann hätten die Produkte keinen finanziellen Wert mehr.
Ohne Preis. Ohne Rechnung. Sie wären einfach da.
Wenn alles, was wir herstellen, frei zugänglich wäre, bräuchten wir auch keinen Lohn mehr.
Denn warum Geld verdienen, wenn alles kostenlos ist?
Und noch etwas Entscheidendes passiert:
Ohne Preise gibt es keinen Profit mehr – und ohne Profit verliert das Finanzsystem seine Macht. Banken, Spekulation und Schulden hätten keinen Zugriff mehr auf das, was wir tun.
Was bleibt, ist eine Wirtschaft, die wirklich den Menschen dient – nicht dem Geld und dem Profit.
Der Schlüssel dazu liegt in unseren Händen:
Wenn wir weltweit gleichzeitig auf freiwillige Arbeit umsteigen, befreien wir unsere Wirtschaft vom Zwang des Finanzsystems – und schaffen eine Welt, in der das Geben das neue Besitzen ist.
These 6: Der Kapitalismus kann nicht von innen heraus überwunden werden
Alle Versuche, den Kapitalismus von innen heraus zu verändern, sind gescheitert und werden weiterhin scheitern. Denn die Symbiose aus Wirtschaft und Finanzsystem misst jede Reform nur daran, ob sie sich rechnet – ob sie Profit bringt.
Kapitalismus ist kein offenes System, das beliebig reformierbar ist, sondern eine in sich geschlossene Verwertungsmaschinerie, die jede soziale Maßnahme danach beurteilt, ob sie die Kapitalakkumulation stört oder fördert.
Ist es Zufall, dass plötzlich massiv aufgerüstet wird?
Der Internationale Währungsfond (IWF) prognostiziert für die nächsten fünf Jahre ein weiteres Wirtschaftswachstum von 25 Prozent.
Das ist nicht aus der Luft gegriffen, denn alle Menschen, die ihr Geld angelegt haben, alle Rentner, die auf die nächste Rentenerhöhung warten, brauchen dieses Wachstum, damit ausreichend Rendite entsteht.
Wenn Menschengruppen versuchen, nachhaltig zu leben und zu wirtschaften, dann fehlt diese Rendite. Also muss das Finanzsystem andere Lösungen finden.
Deshalb wird ein Feindbild projiziert, sodass durch massive Ausgaben für Rüstung das notwendige Wirtschaftswachstum entstehen kann.
Das ist der Grund, warum es ausgeschlossen ist, dass unser Wirtschaftssystem von innen heraus reformiert werden kann.
Doch es gibt eine einfache, kraftvolle Methode, die von außen kommt – und das System überlisten kann: Wenn die Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig aufhören, gegen Geld zu arbeiten, bricht dem Finanzsystem einfach der Boden weg.
Dazu braucht es keine Revolution und keine neuen Gesetze.
Die Fabriken laufen weiter. Die Krankenhäuser und Universitäten bleiben offen. Die Felder werden weiterhin bestellt.
Aber nicht mehr für Geld. Sondern freiwillig. Für den Bedarf. Für ein gutes Leben – für alle.
So müssen wir das Finanzsystem nicht bekämpfen.
Wir lassen es einfach stillstehen – indem wir uns solidarisch zusammentun und anfangen, jenseits von Markt und Profit zu handeln.
Dann beginnen die echten Veränderungen – wie von selbst.
These 7: Der Übergang zu freiwilliger Produktion muss weltweit gleichzeitig erfolgen
Am Tag der weltweiten Umstellung auf freiwillige Arbeit muss alles wie gewohnt weiterlaufen – ruhig, geordnet, ohne sichtbare Unterbrechung, damit die gesellschaftliche Versorgung nicht gefährdet wird. Das ist möglich, weil sämtliche bestehenden Arbeits- und Lieferbeziehungen bestehen bleiben – lediglich ohne jegliche Zahlungsverpflichtung.
Warum sollten wir da überhaupt mitmachen?
Unsere Motivation ergibt sich daraus, dass der Alltag ohne diesen Wandel ohnehin weitergehen würde – bis zum wahrscheinlichen Kollaps.
Wer sollte sich also weigern, mitzumachen?
Ähnlich wie beim ersten Covid-19-Lockdown 2020 bleibt die Versorgung vollständig gesichert, die Produktionsketten bleiben stabil. Niemand muss auf etwas verzichten.
Wichtig ist nur, dass diese Umstellung weltweit gleichzeitig erfolgt, damit wirklich alle Rohstoffe, Halbzeuge, Waren, Wasser und Energie zum selben Zeitpunkt ihren Tauschwert verlieren.
These 8: Die Menschheit kann sich selbst befreien – mit einem einzigen gemeinsamen Schritt
Ein globaler Generalstreik würde ausreichen – einer, der alles verändert.
Diesmal legen wir nicht die Arbeit nieder, sondern das Finanzsystem.
Wir machen einfach weiter – nur ohne Bezahlung.
Wenn Milliarden Menschen gleichzeitig beschließen, ohne Lohn weiterzuarbeiten, verschwindet der Tauschwert der Dinge. Güter werden zu Gemeingütern. Preise, Löhne, Profite sind überflüssig.
Geld? Brauchen wir nicht mehr.
Mit dem Profit verschwindet auch der Zwang, immer mehr zu konsumieren.
Stattdessen beginnt eine neue Kultur: des Gebens, Teilens und Mitfühlens.
Nicht mit Fäusten und Parolen, sondern mit Herz und Verstand.
Das Finanzsystem stirbt nicht im Kampf – es verdunstet im Schenken.
Alles, was es dafür braucht, ist ein weltweit gemeinsamer Moment.
Ein Tag, an dem wir sagen:
Jetzt reicht’s. Jetzt reicht es – für alle.
These 9: Künstliche Intelligenz wird den Markt ersetzen
In einer geldfreien Gesellschaft ersetzt die künstliche Intelligenz (KI) den Markt als Steuerungsmechanismus. Entnahmen und Bedarfe werden digital erfasst, just-in-time koordiniert und durch intelligente Systeme an Produktionsstätten, Lager, Ausgabestellen oder an die Zivilgesellschaft weitergegeben. Statt am Profit orientiert sich die Produktion am tatsächlichen Bedarf.
Verträge bleiben zunächst bestehen, werden aber schrittweise durch kooperative Vereinbarungen ersetzt. KI ermöglicht Transparenz, Effizienz und demokratische Mitbestimmung.
Auf Grund des nachlassenden Rohstoffbedarfs ist eine Allokation über einen Markt nicht mehr erforderlich.
These 10: Nach der Befreiung vom Finanzsystem wird sich das Eigentum auflösen
Im Kapitalismus dient Eigentum primär der Profiterzeugung. Wird Profit unmöglich – durch Abschaffung des Finanzsystems und des Geldes – verliert Eigentum seine Funktion und löst sich auf.
Eine staatliche Vergesellschaftung reicht dazu nicht aus, weil sie Besitz nur anders verwaltet. Eigentum verschwindet nicht durch Enteignung, sondern durch Zwecklosigkeit.
Nur durch die vollständige Überwindung des Finanzsystems kann die Trennung von Besitzenden und Besitzlosen friedlich überwunden werden. Das Ziel ist nicht kollektives Eigentum – sondern kein Eigentum mehr. Es wird dann wieder zu Allmende und nur noch von den Nutzern verwaltet.
Der Schutz der Privatsphäre ist gewährleistet, denn wenn keine ökonomischen Interessen mehr hinter Grundbesitz und Wohnraum stehen, kann die Privatsphäre freier und selbstbestimmter gestaltet werden.
These 11: Arbeit wird Ausdruck menschlicher Freiheit
In der gemeinwohlorientierten Gesellschaft ohne Geld und Profit entfällt der Arbeitszwang. Arbeit wird freiwillig, kreativ und sinnstiftend – nicht mehr Mittel zum Überleben, sondern Ausdruck menschlicher Freiheit.
Alle Mitglieder der Gesellschaft können gemäß ihren Fähigkeiten tätig sein.
Unterstützt wird dies alles durch die Schaffung von Überfluss, wenn wir alles viel länger benutzen als heute, sowie durch den konsequenten Einsatz aller Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik.
Roboter oder solidarische Rotation übernehmen belastende Arbeiten. Autofabriken können ihre Produktion problemlos auf die Herstellung von Automaten und Robotern umstellen.
Globale Ausbeutung wird überflüssig.
Erst wenn nach Bedürfnissen statt nach Leistung verteilt wird, beginnt eine wahrhaft gemeinwohlorientierte Ordnung.
These 12: Sozialsysteme werden nicht mehr benötigt
In einer Gesellschaft, in der alle Menschen uneingeschränkten Zugang zu allem Lebensnotwendigen haben, wird die Notwendigkeit für Sozialsysteme wie Arbeitslosen- Kranken- und Rentenversicherung und die Verteilung über Steuern überflüssig.
Stattdessen entstehen neue Formen der kollektiven Verantwortung und Selbstorganisation, die auf den Prinzipien der Solidarität und der freiwilligen Arbeit beruhen.
Die freiwillige Arbeit und die daraus folgende kostenlose Verfügbarkeit der Waren und Dienstleistungen gewährleistet, dass jeder Mensch vom Kind bis zum Rentner bedingungslosen Zugang zu allem hat, was für ein zufriedenes und glückliches Leben nötig ist.
These 13: Fortschritt geschieht durch Freude, nicht durch Zwang
Wettbewerb ist ein Produkt kapitalistischer Zwänge und nicht naturgegeben. Viele behaupten, dass nur Wettbewerb den Fortschritt vorantreiben würde aber echter Fortschritt entsteht aus der Entfaltung menschlicher Fähigkeiten und kooperativer Zusammenarbeit.
In einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft wird Innovation nicht durch Konkurrenz, sondern durch Sinn, Gemeinschaft und intrinsische Motivation gefördert. Open-Source-Projekte, Genossenschaften und freiwillige Forschung zeigen, dass Entwicklung auch ohne Rivalität möglich ist.
Wettbewerb erzeugt kurzfristigen Druck, aber langfristig soziale und ökologische Schäden. Kooperation dagegen ermöglicht nachhaltigen, solidarischen Fortschritt – besonders in einer vom Finanzsystem befreiten Wirtschaft.
Berlin, den 13.04.2025
Eberhard Licht
Kontakt: li@LetUsBe.One
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