6 Der Übergang

Wenn wir jetzt darüber nachdenken, ob es funktionieren würde, müssen wir davon ausgehen, dass wir anders denken und uns anders verhalten werden. Wir tun nichts mehr, nur um Geld zu verdienen. Gier wird zunehmend der Dankbarkeit weichen.

Bereits nach wenigen Tagen werden wir unser Verhalten ändern, wenn wir merken, dass wir alles geschenkt bekommen. Viel früher als die Feststellung, dass wir nichts verdienen, weil ja das Gehalt oder der Lohn sowieso meist am Monatsende erst erwartet wird.

Es handelt sich um ein großes Abenteuer der ganzen Menschheit. Ein Aufbruch in eine neue Dimension der Gesellschaft, vergleichbar mit einer Marsmission. Oder eine Mission zur Abwehr eines großen Meteoriten, der auf die Erde zufliegt. Als einen solchen Meteoriten könnte man sich auch die Gefahr des Klimakollapses vorstellen.

Zur Vorbereitung dieses Übergangs ist die Politik gefragt. Unsere gesamte politische Landschaft bekommt dadurch eine wirkliche gemeinsame Aufgabe. Damit es funktioniert, müssen alle Menschen motiviert werden, alles erst einmal genauso weiterzumachen wie bisher, damit die Versorgungsströme nicht gestört und Verträge eingehalten werden. Dazu müssen alle Politiker an einem Strang ziehen und es ist vollkommen gleichgültig, ob man rechte, linke, grüne, konservative, liberale oder sozialistische Anschauungen hat.

Jeder muss mitmachen und alle müssen zusammenhalten.

Nach dem erfolgreichen weltweiten Volksbegehren wird ein Stichtag festgelegt, an dem alles Geld der Welt auf null entwertet wird.

Wenn wir zur geldfreien Gesellschaft übergehen, soll sich so wenig wie möglich ändern.

Alle Menschen werden dazu aufgerufen, ihr Verhalten bezüglich Arbeit und Konsum nicht zu ändern. Lieferketten dürfen auf keinen Fall gestört werden, damit kein Chaos entsteht. Verträge müssen weiterlaufen. Werbung muss eingeschränkt werden damit in dieser Übergangszeit nicht unnötige Bedürfnisse geweckt werden, die naturgemäß nicht vorhanden sind.

Wenn die Politiker gute Arbeit geleistet haben um die Menschen entsprechend für den Übergang in diese Gesellschaft zu motivieren, wird zunächst nicht viel passieren. Das Leben geht ganz normal weiter, jeder geht seinem Beruf und seinen Verpflichtungen nach und bekommt dafür kostenlos das was er braucht. Der einzige Unterschied ist, dass kein Geld zurückfließt. Die Menschheit hat beim Covid-19 Lockdown bewiesen, dass auch große Eingriffe in das tägliche Leben mit viel Disziplin gemeistert werden.

Die gesamte Gesellschaft wird sich mit der Zeit wandeln. Der limitierende Gedanke: „Dafür werde ich nicht bezahlt, also mache ich es nicht.“ wird aus den Köpfen der Menschen verschwinden.

Leistung entsteht durch Dankbarkeit und Freude, etwas für andere tun zu können. Diese Dankbarkeit wird die Menschen beflügeln und den Motor der Angst um den Arbeitsplatz oder der Gier nach mehr Lohn ersetzen. Freuen wir uns nicht oft mehr darüber, ein Geburtstagsgeschenk zu übergeben als darüber, es zu bekommen? Das ist ganz einfach eine menschliche Eigenschaft. Genau wie die, am liebsten alles gratis zu bekommen.

Würde denn dann überhaupt noch jemand arbeiten?

Eigentlich gehen wir ja nicht alltäglich morgens aus dem Haus weil uns der Gedanke treibt, Geld zu verdienen. Wir gehen aus dem Haus, weil wir es so gewohnt sind. Dass es Geld dafür gibt, ist eher normal, ohne dass man ständig darüber nachdenkt. Der Kontakt mit unseren Kolleginnen und Kollegen gehört zu unserem sozialen Umfeld.

Der Mensch wird von Gewohnheiten geleitet. Wir werden weiterhin ganz selbstverständlich unsere täglichen Pflichten erfüllen, um uns und andere zu ernähren und zu versorgen. Das ist angeborener Selbstschutz. Das Verhalten aller Menschen auf der Erde beim Corona-Lockdown ist der Beweis dafür, dass wir die nötige Disziplin haben. Es gibt keinen Grund mehr, daran zu zweifeln.

Im Laufe der Zeit wird sich das Verhalten zur Arbeit ändern. Wir haben die Möglichkeit, das zu tun, wofür wir am besten geeignet sind, weil nicht mehr das Geld die Berufswahl bestimmt. Freiwillige Arbeit wird bezahlter Arbeit gleichgestellt.

Was passiert mit den vielen Bankangestellten, wenn kein Geld mehr verwaltet werden muss?

Wenn die Finanzbranche und die Werbebranche nicht mehr gebraucht wird ändert sich nichts in den Industriezweigen, die für die Versorgung der Bevölkerung zuständig sind. Landwirtschaft, Textilunternehmen, Lebensmittelbetriebe arbeiten wie gewohnt weiter. Und so, wie die Bankangestellten vorher mit den Bedarfsgütern versorgt wurden, werden sie auch nach Verschwinden des Geldes versorgt. Es werden ja nicht mehr Menschen dadurch.

Der große Unterschied besteht darin, dass es keinen Unterschied mehr gibt zwischen „bezahlter“ und „unbezahlter“ Arbeit. Man kann sich irgendeine Tätigkeit suchen, die einem Spaß macht. Wenn globale Unternehmen zerfallen, werden viele Mitarbeiter benötigt.

Vielleicht gehen Menschen, die in der Werbe- oder Finanzbranche nicht mehr gebraucht werden, in die Lebensmittelindustrie und helfen dort mit. Oder ins Sozial- oder Bildungswesen. Warum nicht? Wenn man dann nur noch drei Tage in der Woche arbeiten muss? Oder sie gründen Wohngemeinschaften für ältere Menschen. Etwas Neues zu gründen kostet ja dann nichts. Und so geht es immer weiter, hin in eine menschlichere Richtung.

 Niemand wird sich mehr anstrengen, wenn Leistung nicht bezahlt wird!

Das denken wir, weil wir so erzogen sind. Aber wie sind wir wirklich? Haben wir uns in der Schule tatsächlich mehr angestrengt, wenn man uns Geld versprochen hat? Engagieren wir uns nicht für unsere Hobbys oft viel stärker als für unseren Beruf? Wikipedia ist ein Projekt, die durch Freiwillige getragen wird. Manchmal bremst das Geld sogar oder hörten wir nicht schon den Satz: „… dafür werde ich ja nicht bezahlt!“.

Unsere Leistungsbereitschaft und Neugier wird nicht verschwinden, nur weil es kein Geld gibt. Wir werden weiterhin Ideen haben, und es wird viel einfacher sein, Gleichgesinnte zu finden um die Idee verwirklichen zu können. Wahrscheinlich werden viel weniger Ideen in Schubkästen verschwinden, weil es heute für deren Verwirklichung keine finanziellen Möglichkeiten gibt.

Meine Kinder studieren Architektur und Industrial Design Engineering und sie brennen darauf, nachhaltige Häuser und ein intelligentes Hilfsmittel für demenzkranke Menschen zu schaffen. Liebend gerne würden sie ihre Ideen bis zum fertigen Produkt verwirklichen! So schnell wie möglich. Der technische Fortschritt passierte zwar in der Marktwirtschaft aber er ist auf unser Wissen und auf unsere angeborene Kreativität und Tatkraft zurückzuführen.

Vielleicht wird die Entwicklungsgeschwindigkeit für neue Produkte etwas verlangsamen, wenn keine Konkurrenz mehr da ist. Aber die immer schnellere Entwicklung in den letzten Jahren hat auch dazu geführt, dass die Lebensdauer der Produkte künstlich verkürzt wird. Man spricht von geplanter Obsoleszenz. Das Ergebnis ist, dass immer mehr Abfall entsteht und Vorräte aufgebraucht werden. Wer trauert nicht dem guten alten Waschautomaten nach, der nicht schlechter war als der neueste, aber 20 Jahre lang gehalten hat. Es würde uns nichts ausmachen, wenn wir unser Handy vielleicht drei Jahre lang benutzen und nicht jährlich wegwerfen, weil ein Neues angepriesen wird.

Außerdem zeigt sich gerade jetzt bei der Entwicklung des Covid-19-Impfstoffes, wie schädlich Wettbewerb ist. Die Entwicklung würde viel schneller verlaufen und es würde viel mehr produziert werden können, wenn die konkurrierenden Unternehme zusammen arbeiten würden. Aber Schutzrechte müssen gewahrt werden, da möglicherweise Anleger Geld verlieren könnten.

1 Die Idee
2 Warum müssen wir das Geld abschaffen?
3 Gesellschaftspolitische Betrachtungen
4 Wie können wir es erreichen?
5 Privateigentum
6 Der Übergang
7 Entwicklung der Wirtschaft
8 Epilog

Werden wir dann nicht aus den Geschäften mitnehmen, soviel wir tragen können, wenn alles kostenlos ist?

Menschen sind nicht von Natur aus so veranlagt. Gier und Neid werden uns anerzogen.

Wir dürfen uns die Geschenkökonomie nicht vorstellen wie die Schlacht am kalten Buffet oder den Black Friday, wo man etwas zeitlich eng begrenzt (fast) kostenlos bekommt.

Es ist eher wie ein entspannter All-Inclusive-Urlaub. Man weiß, dass auch morgen alles gratis ist.

Was ist mit Arbeiten, die niemand machen will?

Eine sehr häufige Frage ist die, was mit den unangenehmen Tätigkeiten passiert. Wir sind heute dazu in der Lage, die meisten unangenehmen Tätigkeiten angenehmer zu machen, wenn man nicht unter dem finanziellen Zwang steht, dass unangenehme Tätigkeiten nichts kosten dürfen. Teilen und Gemeinsamkeit macht auch unangenehme Dinge angenehmer. Als ich noch in Utrecht an der Nieuwegracht wohnte, wurde das  vierzehntägige Putzen der Straßen und der Haustüren fast wie ein Wohngebietsfest zelebriert, bei dem auch die nachbarschaftlichen Beziehungen gepflegt werden. Wenn die Müllentsorgung nicht dem billigsten Anbieter überlassen wird, machen sich die Wohngebiete darüber Gedanken, wie man erreichen kann, dass möglichst wenig Müll anfällt und recycelbare Stoffe möglichst gut und störungsfrei getrennt und transportiert werden. Natürlich muss das alles gut organisiert werden. Aber dazu können wir ja dieses Wunderding benutzen, das wir im Moment hauptsächlich zum Austausch von Katzenfotos und zum Streamen von Videos verwenden, das Internet. Auch das ist dann endlich frei.

 Was passiert mit Luxusgütern, die limitiert sind?

Dazu müssen wir erst einmal fragen, warum es Luxusgüter gibt. Menschen haben nicht das natürliche Bedürfnis, mit einem 500 PS starken Geländewagen durch die Stadt zu fahren. SUV wurden entwickelt, weil man damit eine Marktlücke füllen konnte. Die Suche nach Marktlücken ist ein typischer Vorgang in der Marktwirtschaft, um den Umsatz steigern zu können. Niemand fragte, ob diese Fahrzeuge mit Klimawandel und Ressourcenschonung vereinbarbar sind, nur der Profit zählte.

Wenn es kein Geld gibt und man demzufolge keinen Gewinn machen kann, strengt man sich nicht an, um Bedürfnisse zu wecken, die naturgemäß nicht da sind. Wer pflastert mühsam eine Straße, die ins Nirgendwo führt? Ich denke, nach einer Übergangszeit wird niemand mehr das Bedürfnis nach knappen Luxusgütern haben, auch weil die soziale Rangordnung verschwindet. In einer Gesellschaft, in der sich das geschwisterliche Miteinander frei entwickeln kann, gibt es nicht das Bedürfnis, sich mit Äußerlichkeiten hervorheben zu müssen. Und diese Übergangszeit wird so aufregend und spannend sein, dass man das Übergangsproblem mit den Luxusgütern sicher vernachlässigen kann.

Unser Freizeitverhalten wird sich in zweierlei Hinsicht ändern. Da die soziale Rangordnung verschwindet weil es keine „Reichen und Armen“ sondern solidarisches Miteinander gibt, werden wir auch weniger Wert auf Äußerlichkeiten legen. Anstatt in das Shopping-Center zu gehen, beschäftigen wir uns mit unseren Hobbys. Und niemand wird uns mehr durch Werbung zu Neuanschaffungen drängen.

Brauchen wir dann nicht eine andere Währung um zu tauschen, wenn das Geld weg ist?

Stell Dir vor, Du gehst zu einer Party und jeder soll etwas mitbringen. Nimmst Du Deinen Salat mit um ihn gegen das Tiramisu einzutauschen? Nein. Jeder bereitet etwas leckeres vor, ohne den Vorsatz, es gegen etwas anderes tauschen zu wollen. Das ist das Wesen der Freiwilligkeit.

Manche, die sich über diese neue Gesellschaft Gedanken machen, nennen sie auch Geschenkwirtschaft. Wir bekommen die Rohstoffe und die Energie von der Erde und der Sonne geschenkt und schenken sie dann weiter. In der Geschenkökonomie braucht man keine Ersatzwährung.

1 Die Idee
2 Warum müssen wir das Geld abschaffen?
3 Gesellschaftspolitische Betrachtungen
4 Wie können wir es erreichen?
5 Privateigentum
6 Der Übergang
7 Entwicklung der Wirtschaft
8 Epilog

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