Von Blinden und Dämonen

Normalerweise überfliege ich morgens kurz die Schlagzeilen des nationalen Rundfunks der Niederlande auf meinem Handy. Wenn mir etwas als interessant erscheint, klicke ich darauf und lese ein Stück vom Text. Das ist sehr praktisch und zeitsparend. Ich mache mir am liebsten selbst meine Gedanken darüber und lasse mich nicht gerne vom politischen Wind beeinflussen, der gerade weht.

Aber in den letzten Tagen hatte ich keine Verpflichtungen, da Frau und Kinder ein paar Tage nicht zu Hause waren. So nahm ich mir zwei Zeitungen aus Papier zur Hand. Es war die kostenlose Bürgerinformation der Stadt Utrecht und das Magazin unserer Krankenversicherung. Auf ersterer stach mir das Foto von Maxima, der Königin der Niederlande ins Auge. Sie hat an einem Kongress teilgenommen, den der Minister für Soziales und Arbeit organisiert hatte und in dem es um Hilfe bei Verschuldung ging. Anlass war die Kampagne „Komm aus den Schulden heraus“, die im Mai dieses Jahres startete.

Im Blatt der Krankenversicherung schrieb man über einen Menschen, der sich neben Beruf und Familie ehrenamtlich in der Hilfe für verschuldete Mitbürger engagiert. Er ist Betriebswirtschaftler und begleitet gerade einen jungen Mann, der durch häufige Spontaneinkäufe in finanzielle Probleme gekommen ist. Man hat den Eindruck, dass es sich dabei vor allem um psychologische Unterstützung handelt. Wie vermeide ich, den Angriffen geschickter Reklame und der Kreditinstitute zu entgehen.

Ein zweiter Artikel auf Seite 10 erregte ebenfalls meine Aufmerksamkeit: „Wie schützt du dein Gehör?“. Es ging um ein Jazz-Festival und die Möglichkeit, Gehörschäden zu vermeiden, indem man Ohrstöpsel trägt. Diese werden am Eingang verkauft und mit den finanziellen Einnahmen unterstützt man das Festival.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mich nicht vom politischen Wind beeinflussen lassen will, aber ich habe im Gegensatz zu meinen Mitbürgern den Eindruck, dass diese Erscheinungen nicht in der Natur begründet sind sondern künstlich hervorgerufen werden. Beklagen wir uns nicht alle über die hohe Lautstärke bei Pop-Veranstaltungen?

Eigentlich wären diese beiden Probleme ganz einfach zu lösen. Man macht keine Werbung mehr, die zum Kauf meist unnötiger Dinge und zur Aufnahme von Krediten verleiten und man wählt ganz einfach eine für alle angenehme Lautstärke bei Beschallungen. Bei klassischen Konzerten ist das ja eigentlich normal, ohne dass sich jemand darüber beschwert. 

Beim Nachdenken darüber, warum die Verantwortlichen nicht von selbst darauf kommen, fällt mir eigentlich nur ein, dass Blindheit die Schuld sein muss. Dadurch sehen wir die Ursache nicht, durch die Menschen in finanzielle Probleme kommen und durch die irreversible Verletzungen des Gehörs entstehen. Doch es ist so offensichtlich dass das eigentlich nicht der alleinige Grund sein kann. Deshalb muss noch etwas anderes im Spiel sein. Vielleicht sind es Dämonen, die vorgaukeln, dass die hohe Lautstärke und die aggressive Reklame für etwas nötig sind, das wir Menschen nicht verstehen. Dämonen, die sich heimlich ins Fäustchen lachen und sich über den Schaden freuen, den sie damit anrichten.

Warum greift Christus nicht ein wie er es vor 2000 Jahren getan hat? Es muss damals auch viele Blinde und Dämonen gegeben haben denn er hat beinahe täglich und in großer Zahl Blinde sehend gemacht und Dämonen ausgetrieben. Zumindest hat man diesen Eindruck, wenn man das Matthäus-Evangelium liest.

Komm guter Jesus Christus, komm zu uns in unsere Gesellschaft und heile uns!