Christen und Fridays for Future

Ich will versuchen, das Gleichnis vom Reichen, der ausgelassen feiert und dem armen Lazarus in unsere Gegenwart zu adaptieren.

„Es war eine Gruppe von Menschen, die jetzt, Ende September, auf einer Terrasse saßen und feierten. Da es bereits recht kühl war, wurden die Heizstrahler eingeschaltet. Die Menschen hatten kein schlechtes Gewissen dabei weil man ihnen sagte, der Strom für die Heizstrahler komme ja aus dem Biomassekraftwerk, es ist ja grüner Strom.
Auf der anderen Seite der Welt im Amazonas-Regenwald saß eine Familie vor ihrer Hütte. Sie hörten bereits die Maschinen, die den Regenwald roden um Platz zu machen für neue Palmölplantagen.  Palmölplantagen, die die Biomasse für Biokraftwerke in Europa liefern. Der Vater rief, hört auf damit, wir brauchen unseren Regenwald unbedingt zum Leben, aber niemend hörte seinen Schrei.“

Christus verurteilt in seinem Gleichnis das Leben des Reichen und lässt ihn nach seinem Tode im Fegefeuer schmoren. Aber er verurteilt ihn nicht weil er feiert, Christus hatte nichts gegen das Feiern, denken wir nur an die Hochzeit von Kanaan. Aber er verurteilt ihn, weil er ausgelassen glanzvolle Feste feiert.

Uns hier in unserer Gesellschaft reicht es auch nicht, nur zu feiern. Nein, wir müssen draußen sitzen und es muss trotzdem schön warm sein. So schalten wir die Außenstrahler ein, obwohl wir wissen, dass der Nordpol in kurzer Zeit schmelzen wird. Und diese Zeichen für ausgelassenes Verhalten ziehen sich durch unser gesamtes Leben. Denken wir an die Kaffekapseln. Früher konnte man den Kaffee noch in einer Kaffemaschine brühen aber dann kam jemand der sagte, du arbeitest hart, also kannst du dich auch mit einem Kaffeeautomaten belohnen. Und nun werfen wir bei jeder Tasse Kaffee einen Plastikbecher weg. Es reicht uns nicht, gut zu leben, nein, wir wollen immer besser leben. Wir wollen noch mehr Wohlstand. Und wir merken nicht, wie ausgelassen wir bereits seit langem leben und dass wir das oft auf Kosten anderer tun, die weit weg sind und die wir nicht sehen.

Und wir hören nicht damit auf, glanzvoll zu feiern. Wir erfinden immer neue Lösungen, um das Feiern fortsetzen zu können. Wir denken, dass Elektroautos unsere Rettung sind aber wo kommen die wichtigen Rohstoffe für die Batterien her? Aus China und aus Afrika.

Der Grund dafür, dass wir das nicht sehen und warum wir nichts daran ändern können oder wollen, sitzt in uns selbst, in unserer Psyche. Am 29. September ist der Tag der Flüchtlinge und Migranten und unser Papst Franziskus hat dazu einen Brief an alle Christen geschickt. Für mich ist der folgende Satz am bedeutsamsten: „Die wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften entwickeln in ihrem Inneren die Tendenz eines ausgeprägten Individualismus, der, in Verbindung mit einer utilitaristischen Mentalität und in Ausweitung durch das Netzwerk der Medien, eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hervorbringt“.

Gemeint damit sind wir, denn wir leben hier in einer der wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften. Und wir sind gleichgültig darüber, dass das E10 in unserem Benzin auf Kosten der Indianer im Amazonas-Regenwald produziert wird. Als Grund hierfür nennt Papst Franziskus die Eigenschaft „utilitaristisch“.

Es gibt eine Karikatur, die dieses Verhalten gut beschreibt. Wir sind die starken und mächtigen und dort liegen die schwachen, die weit weg sind. Der Mensch, der an der Weiche steht, wird die Straßenbahn, deren Bremse nicht funktioniert, immer in Richtung der schwachen lenken. Wir können nichts machen, das ist unsere Natur, unser Verständnis. Wir werden immer wieder die Straßenbahn in die gleiche Richtung fahren lassen. Deshalb werden wir unseren Luxus nicht von selbst aufgeben.

Die Außen-Wärmestrahler werden erst dann ausgehen, wenn der Strom nicht mehr reicht. Wenn die Kraftwerke weniger produzieren. Aber wie soll das geschehen?

Ich kann sehen, dass in diesen Tagen ein wirkliches Wunder geschieht. Wofür interessieren sich Kinder und Jugendliche normalerweise?

  • Was hat der andere für Schuhe an?
  • Welche Musik hören die anderen?
  • Was gibt es Neues auf Instagram?

Aber plötzlich, Anfang des Jahres, begannen die Kinder und Jugendlichen auf die Straße zu gehen. Sie haben gestreikt, meist Freitags und auf der ganzen Welt.

Ich glaube an den lebendigen Christus und ich glaube daran, dass Er die Kinder zu sich gerufen hat. Rief er nicht: „Lasst die Kinder zu mir kommen“? Ich war am 27. September auf der großen Klimademonstration in Den Haag. Es waren weit über 25 000 Kinder und Jugendliche dabei und sie waren so fröhlich. Man hat auch kaum Polizei gesehen. Ich konnte dort das Wunder mit eigenen Augen sehen.

Und was wollen die Kinder? Sie wollen Gesetze zum Klimaschutz, die dazu führen, dass die Kraftwerke weniger CO2 ausstoßen, weil das CO2 die Erde erwärmt. Weniger CO2 geht aber nur, wenn die Kraftwerke weniger Elektrizität produzieren. Und dann ist nicht mehr genug Elektrizität da, um die Außenstrahler einzuschalten. Es ist sicher klar, dass die Außenstrahler nur ein Beispiel für unser ausgelassenes Verhalten sind. Und weil Christus nicht aktiv eingreifen kann, sorgt er mit diesem Wunder dafür, dass wir unsere glanzvollen Feste einschränken müssen.

Aber was wird später passieren? Wenn sie weniger Energie zur Verfügung haben, werden die Menschen böse und sie werden den Kindern die Schuld dafür geben. Und dann wird es schlimm für die Kinder und Jugendlichen, wenn sie keinen Glauben haben, der sie stärkt. Der Glaube in die Zukunft ist zu wenig. Hier beginnt die Aufgabe der Christen. Um den Kindern den Glauben zu bringen, dafür haben sie uns Christen nötig.

Ich bin Ende September bei einem Klimamarsch mitgelaufen. Fünf Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren gingen 140 Kilometer zu Fuß von Wageningen bis zur Klimademo in Den Haag um die Menschen aufzurütteln und ihnen die Augen zu öffnen. Es waren auch viele „Klimagroßeltern“ dabei und ich konnte mit vielen von ihnen sprechen. Aber ich habe nur einen gläubigen Christen getroffen.

Wer soll den Kindern erklären, was Christus erreichen will, wenn er sie zu sich auf die Straße ruft? Unsere Aufgabe als Christen ist es, ihnen das zu vermitteln. Und am besten geht das, wenn wir mit ihnen reden und ein Stückchen mit ihnen mitlaufen.